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Abitur nachholen: Wege, Voraussetzungen & Kosten

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Das Abitur - auch allgemeine Hochschulreife genannt - ist der höchste allgemeinbildende Schulabschluss in Deutschland und berechtigt zum Studium an allen deutschen Hochschulen und Universitäten in allen Fachrichtungen. Nachholen lässt es sich auf dem Zweiten Bildungsweg in der Regel innerhalb von 30 bis 42 Monaten an einem Abendgymnasium, einem Kolleg, in einem Fernkurs oder über die Externenprüfung. Voraussetzung ist in der Regel der Realschulabschluss sowie eine abgeschlossene Berufsausbildung oder mehrere Jahre Berufstätigkeit.

Das Abitur ist die umfassendste Hochschulzugangsberechtigung - anders als Fachhochschulreife oder Fachabitur ist die Wahl des Studiengangs vollkommen offen. Wer langfristig Medizin, Jura, Lehramt oder ein klassisches universitäres Fach studieren möchte, kommt am Abitur nicht vorbei.

Erwachsene Frau am Holztisch arbeitet konzentriert mit mehreren gestapelten Lehrbüchern, Notizen und Füller zur Vorbereitung auf das Abitur

Was ist das Abitur?

Das Abitur ist der höchste allgemeinbildende Schulabschluss im deutschen Bildungssystem. Es wird am Ende der gymnasialen Oberstufe vergeben und bescheinigt eine vertiefte Allgemeinbildung in einem festgelegten Fächerkanon. Inhaltlich umfasst das Abitur Pflichtfächer in den Kompetenzbereichen Sprachen, Naturwissenschaften, Gesellschaftswissenschaften sowie ein oder mehrere Wahlpflichtfächer. Eine zweite Fremdsprache ist verpflichtend.

Mit dem Abitur ist die uneingeschränkte Hochschulzugangsberechtigung verbunden. Sie gilt bundesweit für alle Hochschultypen (Universitäten, Fachhochschulen, Pädagogische Hochschulen, Kunsthochschulen) und in allen Studienfächern - ohne Einschränkung auf bestimmte Fachrichtungen.

Abitur, Fachabitur und Fachhochschulreife - die Unterschiede

AbschlussStudiumDauer Nachholen
Abitur (allgemeine Hochschulreife)alle Hochschulen, alle Studienfächer30-42 Monate
Fachgebundene Hochschulreife (Fachabitur)Universitäten und FH in einer festgelegten Studienrichtung24-36 Monate
Fachhochschulreifealle Fachhochschulen, alle Fachrichtungen24-36 Monate

Das Abitur ist die anspruchsvollste, aber zugleich offenste Option - gerade für Personen mit unklarem Studienwunsch oder dem Ziel eines universitären Studiums. Die Entscheidung sollte nicht allein nach Aufwand getroffen werden, sondern nach dem konkreten Berufsziel.

Wege zum Abitur auf dem Zweiten Bildungsweg

Mehrere Wege führen zum Abitur. Die Wahl hängt von Beruf, Familie und der bisherigen Lernerfahrung ab.

Abendgymnasium

Abendgymnasien sind staatliche Schulen mit Unterricht in der Regel von 17 bis 21 Uhr, an vier bis fünf Werktagen pro Woche. Die Dauer beträgt in der Regel 30-36 Monate. Geeignet für Berufstätige mit stabilem Tagesablauf, die einen anerkannten Abschluss in geregelten Unterrichtsstrukturen anstreben. Der Besuch ist meist kostenfrei und mit Schüler-BAföG förderbar.

Kolleg

Kollegs sind Vollzeitschulen des Zweiten Bildungswegs mit dem Ziel Abitur. Voraussetzung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung oder mehrjährige Berufstätigkeit. Die Dauer beträgt in der Regel 30 Monate bei einem wöchentlichen Aufwand von 30-35 Schulstunden. Der Besuch ist staatlich gefördert.

Fernkurs / Fernschule

Private Fernschulen bieten Lehrgänge zum Abitur an, mit Lehrheften, Online-Lernplattformen und einzelnen Präsenzphasen. Die Lernzeit lässt sich am Alltag ausrichten. Die Kursgebühren liegen in der Größenordnung von 3.500 bis 5.500 Euro über 30 bis 42 Monate. Die Abschlussprüfung wird als externe Prüfung an einer staatlichen Schule abgelegt.

Externenprüfung

Wer sich eigenständig auf das Abitur vorbereitet, kann die Prüfung als Nichtschülerprüfung beim zuständigen staatlichen Schulamt ablegen. Voraussetzung ist eine intensive Selbstvorbereitung über 18 bis 36 Monate. Diese Form richtet sich vor allem an Personen mit ausgeprägter Lernroutine - sie ist die anspruchsvollste Variante, gleichzeitig die preisgünstigste.

Voraussetzungen und Zugang

Dauer und zeitlicher Aufwand

Die nominale Kursdauer entspricht meist nicht der tatsächlichen Lernzeit. Wer parallel berufstätig ist oder Familienverantwortung trägt, sollte realistisch 20-40 Prozent länger einplanen.

Was kostet das Nachholen des Abiturs?

LernformKursgebührZusätzlich
Abendgymnasium (staatlich)meist kostenfreiLehrmaterial 100-250 €
Kolleg (staatlich)meist kostenfreiLehrmaterial 100-250 €
Fernkurs (privat)3.500-5.500 €Prüfungsgebühren 200-300 €
Externenprüfung200-300 € PrüfungsgebührVorbereitungsliteratur 200-500 €

Eine detaillierte Kostenübersicht aller Schulabschluss-Wege findet sich unter Kosten.

Finanzierung und Förderung

Schüler-BAföG ist die wichtigste Förderung für den Zweiten Bildungsweg zum Abitur. Es wird für Abendgymnasien und Kollegs gewährt und nicht zurückgezahlt. Stand 2025/26 liegen die monatlichen Sätze in der Größenordnung von 700-950 Euro für Volljährige außerhalb des Elternhaushalts. Anträge laufen über das örtliche Amt für Ausbildungsförderung.

Daneben kommt der Bildungskredit des Bundes (bis 7.200 Euro) in Frage; für Berufserfahrene das Aufstiegsstipendium der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung. Kursgebühren an privaten Fernschulen sind häufig als Werbungskosten steuerlich absetzbar. Eine Übersicht: Fördermöglichkeiten und Zuschüsse.

Was kommt nach dem Abitur?

Welcher Weg eignet sich für welche Lebenssituation?

Eine Beratung vor der Entscheidung lohnt sich. Die Schulberatung der Kommune und die Studienberatung der Zielhochschule helfen bei der konkreten Planung. Weitere Anlaufstellen: Tipps und Links.

Häufige Fragen

Wie lange dauert das Nachholen des Abiturs?

Die Dauer liegt je nach Lernform zwischen 30 und 42 Monaten. Vollzeit an einem Kolleg dauert rund 30 Monate, Abendgymnasien 30 bis 36 Monate, Fernkurse 30 bis 42 Monate. Selbstvorbereitung mit Externenprüfung erfordert 18 bis 36 Monate je nach Vorkenntnissen.

Was kostet das Nachholen?

An staatlichen Abendgymnasien und Kollegs ist die Teilnahme meist kostenfrei. Private Fernschulen verlangen 3.500 bis 5.500 Euro. Die Externenprüfung selbst kostet 200 bis 300 Euro Prüfungsgebühr. Hinzu kommen Lehrmittel und Vorbereitungsliteratur.

Welche Voraussetzungen sind nötig?

In der Regel der Realschulabschluss sowie eine abgeschlossene Berufsausbildung oder mehrjährige reguläre Berufstätigkeit. Mit dem Erweiterten Realschulabschluss ist auch der direkte Übergang in die gymnasiale Oberstufe ohne Berufsausbildung möglich. Zwei Fremdsprachen sind verpflichtend.

Ist eine zweite Fremdsprache zwingend?

Ja. Das Abitur verlangt eine zweite Fremdsprache zusätzlich zu Englisch - meist Französisch, Spanisch oder Latein. Wer in der Schule nur Englisch hatte, holt die zweite Fremdsprache im Bildungsgang nach. Für die Fachhochschulreife ist die zweite Fremdsprache dagegen meist nicht erforderlich.

Welche Förderung kommt infrage?

Die wichtigste Förderung ist das Schüler-BAföG für Abendgymnasien und Kollegs - voller Zuschuss ohne Rückzahlungspflicht. Daneben gibt es den Bildungskredit des Bundes (bis 7.200 Euro) und das Aufstiegsstipendium der Begabtenförderung. Anträge laufen über das örtliche Amt für Ausbildungsförderung.

Lohnt sich Abitur im Vergleich zum Fachabitur?

Das hängt vom Studienziel ab. Wer einen konkreten anwendungsorientierten Bachelor an einer Fachhochschule anstrebt, kommt mit Fachhochschulreife oder Fachabitur aus. Wer ein universitäres Studium oder mehrere Optionen offenhalten möchte, sollte das Abitur ansteuern - die anspruchsvollere, aber flexiblere Variante.

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