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Realschulabschluss an der Werkrealschule machen (BW)
Die Werkrealschule ist eine weiterführende Schulform in Baden-Württemberg, an der sich neben dem Hauptschulabschluss auch der Werkrealschulabschluss erwerben lässt - ein dem Realschulabschluss gleichwertiger mittlerer Bildungsabschluss. Sie umfasst die Klassen 5 bis 10 und legt einen Schwerpunkt auf berufspraktische und projektbezogene Inhalte. Der Werkrealschulabschluss wird am Ende der 10. Klasse durch eine zentrale Prüfung erworben.
Anders als an einer klassischen Realschule kombiniert die Werkrealschule allgemeinbildenden Unterricht mit berufspraktischen Modulen - Werken, Wirtschaft, Technik. Das macht sie besonders attraktiv für Schülerinnen und Schüler mit einem klaren Praxisbezug.
Was ist die Werkrealschule?
Die Werkrealschule ist eine eigenständige Schulform der Sekundarstufe I in Baden-Württemberg. Sie entstand 2010 aus der Hauptschule und wurde um einen sechsten Schuljahrgang erweitert - den Mittlere-Reife-Zug, der zum Werkrealschulabschluss führt. Damit lässt sich an der Werkrealschule sowohl der Hauptschulabschluss (nach Klasse 9) als auch der Werkrealschulabschluss (nach Klasse 10) erreichen.
Strukturell gliedert sich die Werkrealschule in:
- Klassen 5-6: Orientierungsstufe mit gemeinsamen Lerninhalten.
- Klassen 7-9: Vorbereitung auf den Hauptschulabschluss. Erste Wahlpflichtbereiche - Technik, Wirtschaft, Soziales - werden eingeführt.
- Klasse 10: Mittlere-Reife-Zug. Ziel: Werkrealschulabschluss durch zentrale Abschlussprüfung.
Wie kommt man zum Werkrealschulabschluss?
Der Weg führt über die regelmäßige Werkrealschulzeit bis zur Abschlussprüfung am Ende der 10. Klasse:
- Vorbereitung in den Klassen 5-9: kontinuierliche Schulausbildung mit erweiterten Inhalten ab Klasse 7.
- Eintritt in Klasse 10: Schülerinnen und Schüler mit guten Leistungen in den Hauptfächern (meist Notendurchschnitt 3,0 oder besser in Deutsch, Mathematik, Englisch) wechseln in die 10. Klasse.
- Quereinstieg möglich: wer den Hauptschulabschluss an einer anderen Schule erworben hat, kann in die 10. Klasse einer Werkrealschule wechseln, sofern die Leistungsvoraussetzungen vorliegen.
- Abschlussprüfung: zentrale Prüfung in Deutsch, Mathematik, Englisch und einer Fächergruppe nach Wahl.
Voraussetzungen für die Aufnahme in den M-Zug Klasse 10
- Bestandener Hauptschulabschluss: die Grundvoraussetzung.
- Notendurchschnitt: meist 3,0 oder besser in Deutsch, Mathematik und Englisch.
- Empfehlung der abgebenden Schule: die Klassenkonferenz spricht eine Empfehlung aus.
- Probeunterricht: bei nicht vollständig erfüllten Notenvoraussetzungen wird zum Teil ein Probeunterricht durchgeführt.
Werkrealschulabschluss für Erwachsene
Erwachsene, die nicht mehr im regulären Schulalter sind, holen den Realschulabschluss in der Regel nicht direkt an der Werkrealschule nach. Übliche Alternativen:
- Abendrealschule - Unterricht abends, 24-30 Monate, kostenfrei. In Baden-Württemberg gibt es Abendrealschulen in den meisten größeren Städten.
- Volkshochschule - Teilzeit-Vorbereitungskurs, 18-24 Monate.
- Fernkurs - flexible Lernzeit ohne festen Schulort, 18-30 Monate.
- Externenprüfung - Selbststudium oder Vorbereitungskurs plus Prüfung am Schulamt.
- Berufsschule - parallel zur dualen Berufsausbildung.
Dauer und Kosten
| Bildungsweg | Dauer | Kosten |
|---|---|---|
| Werkrealschule komplett (Klasse 5-10) | 6 Schuljahre | kostenfrei |
| Aufstieg in Klasse 10 nach Hauptschulabschluss | 1 Schuljahr | kostenfrei |
| Quereinstieg aus anderer Schulform | nach Vorbildung | kostenfrei |
Hinzu kommen Lehrmittel von 50 bis 200 Euro pro Schuljahr. Werkrealschulen sind staatlich; Schulgeld wird nicht erhoben.
Welche Vorteile bietet die Werkrealschule?
- Praxis- und Berufsorientierung: berufspraktische Module ab Klasse 7 - Technik, Wirtschaft, Gesundheit/Soziales.
- Klare Doppelstruktur: Hauptschulabschluss und Werkrealschulabschluss in einer Schulform; beide Wege bleiben offen.
- Wohnortnahe Verfügbarkeit: Werkrealschulen sind in Baden-Württemberg flächendeckend vorhanden.
- Kleine Klassen: häufig kleinere Klassenstärken als an Gymnasien oder Gesamtschulen, was die Lernsituation für Schülerinnen und Schüler mit erhöhtem Förderbedarf verbessert.
Anschlussmöglichkeiten nach dem Werkrealschulabschluss
- Duale Berufsausbildung: Zugang zu nahezu allen Ausbildungsberufen. Übersicht: Berufe mit Realschulabschluss.
- Berufliches Gymnasium: Weg zum Abitur mit beruflicher Orientierung. Voraussetzung sind meist gute Noten im Werkrealschulabschluss.
- Berufsoberschule oder Fachoberschule: Weg zur Fachhochschulreife in zwei Jahren.
- Höherwertige Ausbildungsberufe: Zugang zu Berufen mit höherem Einstiegsgehalt und besseren Aufstiegschancen (siehe gut bezahlte Ausbildungsberufe).
Häufige Fragen
Ist der Werkrealschulabschluss dem Realschulabschluss gleichwertig?
Ja. Der Werkrealschulabschluss ist ein mittlerer Bildungsabschluss und dem klassischen Realschulabschluss gleichwertig. Er ist bundesweit anerkannt und öffnet dieselben Anschlusswege - von der Berufsausbildung bis zum beruflichen Gymnasium.
Können auch Erwachsene den Realschulabschluss an der Werkrealschule machen?
In der Regel nicht direkt. Die Werkrealschule ist für Schülerinnen und Schüler im allgemeinen Schulalter konzipiert. Erwachsene nutzen für den Realschulabschluss üblicherweise Abendrealschule, VHS-Kurs, Fernkurs, Berufsschule oder Externenprüfung.
Wie kommt man in die 10. Klasse der Werkrealschule?
Voraussetzung sind ein bestandener Hauptschulabschluss und ein Notendurchschnitt von meist 3,0 oder besser in Deutsch, Mathematik und Englisch. Bei nicht vollständig erfüllten Voraussetzungen wird zum Teil ein Probeunterricht durchgeführt. Die Empfehlung der abgebenden Schule spielt ebenfalls eine Rolle.
Welche Berufsausbildungen sind nach dem Werkrealschulabschluss möglich?
Mit dem Werkrealschulabschluss stehen nahezu alle dualen Berufsausbildungen offen - von Handwerk und Industrie über kaufmännische Berufe bis zu Gesundheits- und Sozialberufen. Eine Übersicht findet sich unter Berufe mit Realschulabschluss.
Was kostet der Besuch der Werkrealschule?
Die staatliche Werkrealschule ist kostenfrei. Es wird kein Schulgeld erhoben. Lehrmittel kosten zwischen 50 und 200 Euro pro Schuljahr. Bei längeren Schulwegen werden Fahrtkosten häufig erstattet - Auskunft erteilt die jeweilige Kommune.
In welchen Bundesländern gibt es die Werkrealschule?
Die Werkrealschule existiert als eigenständige Schulform in Baden-Württemberg. In anderen Bundesländern gibt es vergleichbare Schulformen mit anderen Bezeichnungen - etwa Mittelschule (Bayern, Sachsen), Sekundarschule (Sachsen-Anhalt, NRW), Regelschule (Thüringen) oder Gemeinschaftsschule (Berlin, Saarland).
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