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Studieren mit Realschulabschluss - ohne Abitur
Ein Studium ist auch ohne Abitur möglich - mit dem Realschulabschluss in Kombination mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung und mehrjähriger Berufserfahrung. Konkret kommen drei Wege in Frage: Studium als beruflich Qualifizierter nach mehrjähriger Berufstätigkeit, Studium nach Aufstiegsfortbildung (etwa Meister oder Techniker) oder Studium über eine Zugangsprüfung an der Zielhochschule. Diese Möglichkeiten sind in allen Bundesländern verankert, die genauen Bedingungen variieren jedoch.
Der mittlere Schulabschluss allein reicht nicht für den Hochschulzugang. Wer ohne Abitur studieren möchte, muss zusätzlich berufliche Qualifikation und Berufspraxis nachweisen - oder eine spezielle Eignungsprüfung ablegen. Eine Alternative ist das Nachholen der Fachhochschulreife oder des Abiturs auf dem Zweiten Bildungsweg.
Drei Wege zum Studium ohne Abitur
1. Studium als beruflich Qualifizierter
Wer eine abgeschlossene Berufsausbildung und in der Regel drei bis fünf Jahre Berufstätigkeit nachweisen kann, erhält in den meisten Bundesländern Zugang zu einem fachverwandten Hochschulstudium. Die Bezeichnung lautet meist „beruflich Qualifizierte" oder „Studium ohne Abitur".
Voraussetzungen im Überblick:
- Abgeschlossene Berufsausbildung in einem anerkannten Beruf (mindestens 2 Jahre Ausbildungsdauer).
- Berufspraxis im gleichen oder einem fachverwandten Bereich, in der Regel 3-5 Jahre.
- Bezug zwischen Berufsausbildung und Studiengang: ein Industriekaufmann kann meist Betriebswirtschaft studieren, ein Mechatroniker ein technisches Studium.
- Vorlage einer Stellungnahme oder Empfehlung des Arbeitgebers; vereinzelt zusätzlich ein Eignungsgespräch.
2. Studium nach Aufstiegsfortbildung
Wer eine Aufstiegsfortbildung wie Meister, Techniker, Fachwirt oder Bachelor Professional abgeschlossen hat, erhält bundesweit den allgemeinen Hochschulzugang - ohne Beschränkung auf eine Fachrichtung. Dies ist im Beschluss der Kultusministerkonferenz seit 2009 verankert.
Mögliche Aufstiegsfortbildungen, die direkt zum Hochschulstudium berechtigen:
- Meister/in (Handwerks- oder Industriemeister)
- Staatlich geprüfte/r Techniker/in
- Fachwirt/in (etwa Bankfachwirt, Industriefachwirt)
- Bachelor Professional (formal dem akademischen Bachelor gleichgestellt)
- Betriebswirt/in (geprüfter Betriebswirt)
- Erzieher/in (staatlich anerkannt, dreijährige Fachschulausbildung)
Diese Qualifikationen öffnen den Weg zu jedem Studienfach an jeder Hochschule. Anders als beim Studium als beruflich Qualifizierter gibt es keine Beschränkung auf fachverwandte Studiengänge.
3. Studium über Zugangsprüfung
Viele Hochschulen bieten eigene Zugangsprüfungen oder Eignungsprüfungen für Studienbewerber ohne formale Hochschulzugangsberechtigung. Diese sind in der Regel auf die jeweilige Hochschule beschränkt - das Bestehen berechtigt nur zum Studium an der prüfenden Hochschule.
Üblich sind drei Varianten:
- Hochschulzugangsprüfung: schriftliche und mündliche Prüfung im angestrebten Studienfach.
- Begabtenprüfung: in einigen Bundesländern verankert, ermöglicht den unbeschränkten Hochschulzugang.
- Probestudium: Aufnahme als Akademiestudierende für ein Probesemester; nach erfolgreichem Bestehen reguläre Immatrikulation.
Welche Studiengänge sind besonders geeignet?
Für beruflich Qualifizierte ohne Abitur eignen sich besonders berufsbegleitende Studiengänge und solche an Fachhochschulen mit starkem Praxisbezug. Beispiele:
- Betriebswirtschaft (BWL) - besonders für kaufmännisch Ausgebildete.
- Wirtschaftsinformatik - Schnittstelle zwischen IT und Wirtschaft.
- Soziale Arbeit - passt zu Erzieher- oder Pflegeausbildungen.
- Pflegewissenschaft / Pflegemanagement - für Pflegefachkräfte mit Berufspraxis.
- Maschinenbau / Mechatronik - für Industriemechaniker, Mechatroniker, Industriemeister.
- Elektrotechnik - für Elektroniker und Elektriker mit Berufspraxis.
- Frühpädagogik / Kindheitspädagogik - für Erzieher mit Praxis.
Universitäre Studiengänge wie Medizin, Jura, Lehramt oder klassische Geisteswissenschaften sind über den Weg des beruflich Qualifizierten in der Regel schwerer zugänglich - hier ist das Abitur der bewährtere Weg.
Berufsbegleitend studieren
Viele Hochschulen bieten berufsbegleitende oder duale Studiengänge, die sich besonders für Berufstätige eignen:
- Fernhochschulen: staatlich anerkannte Anbieter wie die Hagener Fernuniversität oder private Fernhochschulen ermöglichen ein Studium ohne ständige Präsenz an einem Hochschulort.
- Berufsbegleitende Präsenzstudien: Abendveranstaltungen, Wochenendkurse, Blockphasen - angeboten von Fachhochschulen mit Erfahrungen im Bereich Erwachsenenbildung.
- Duale Studiengänge: Kombination aus Studium und Praxis in einem Unternehmen - vor allem für noch jüngere Studieninteressierte mit frischer Berufsausbildung.
Berufsbegleitende Studien sind anspruchsvoll: 15-20 Stunden Studienzeit pro Woche zusätzlich zum Vollzeitberuf sind realistisch. Wer eine Familie hat oder andere Verpflichtungen, sollte den Aufwand vorab realistisch einschätzen.
Vergleich: Studium ohne Abitur oder Abitur nachholen?
| Aspekt | Studium als beruflich Qualifizierter | Abitur nachholen + Studium |
|---|---|---|
| Vorlaufzeit bis zum Studienbeginn | 3-5 Jahre Berufspraxis nötig | 30-42 Monate Abiturlehrgang |
| Studienfachwahl | meist nur fachverwandt | uneingeschränkt |
| Hochschultyp | vor allem Fachhochschulen | alle Hochschulen, alle Fächer |
| Kosten | keine Vorbereitungskosten | 0-5.500 € Lehrgangskosten |
| Einkommen während Vorbereitung | Beruf parallel möglich | häufig Unterbrechung des Berufs |
Häufige Fragen
Kann ich mit Realschulabschluss studieren?
Allein mit Realschulabschluss nicht. Notwendig sind zusätzlich eine abgeschlossene Berufsausbildung und in der Regel 3 bis 5 Jahre Berufstätigkeit - oder eine Aufstiegsfortbildung wie Meister oder Techniker. Alternativ kann über eine Zugangsprüfung der Hochschule der Zugang erworben werden.
Welche Berufsausbildungen ermöglichen das Studium ohne Abitur?
Alle anerkannten Ausbildungsberufe mit mindestens zwei Jahren Ausbildungsdauer in Verbindung mit der nachgewiesenen Berufspraxis. Für ein fachverwandtes Studium muss zwischen Ausbildung und Studiengang ein Bezug nachweisbar sein - eine Industriekauffrau kann Betriebswirtschaft studieren, ein Industriemechaniker Maschinenbau.
Was öffnet die Meisterprüfung?
Die Meisterprüfung - wie auch der staatlich geprüfte Techniker, Fachwirt oder Bachelor Professional - berechtigt seit 2009 zur allgemeinen Hochschulzugangsberechtigung. Damit ist das Studium aller Fächer an allen Hochschulen ohne Beschränkung möglich.
Welche Hochschulen sind besonders offen für Studierende ohne Abitur?
Vor allem Fachhochschulen und private Hochschulen mit Schwerpunkt auf Berufstätige. Fernhochschulen wie die FernUniversität in Hagen oder private Anbieter ermöglichen ein Studium parallel zum Beruf. An vielen Universitäten ist das Studium über die Hochschulzugangsprüfung möglich.
Was ist besser - Studium ohne Abitur oder Abitur nachholen?
Das hängt vom Studienwunsch ab. Wer einen anwendungsorientierten Bachelor an einer Fachhochschule anstrebt und ohnehin schon mehrere Jahre Berufstätig ist, kommt schneller über den Weg als beruflich Qualifizierter. Wer Medizin, Jura oder Lehramt studieren möchte, sollte das Abitur nachholen.
Gibt es Förderung für das Studium ohne Abitur?
Ja. BAföG-Berechtigung gilt unabhängig vom Hochschulzugangsweg. Das Aufstiegsstipendium der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung fördert beruflich Qualifizierte mit Studienwunsch - Voraussetzung ist eine gute Berufsausbildung. Mehr: Fördermöglichkeiten und Zuschüsse.
Der schnellste Weg für die meisten Berufstätigen ist die Fernschule - ortsunabhängig, im eigenen Tempo. Die drei staatlich zugelassenen Anbieter im direkten Vergleich:
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