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Hauptschulabschluss nachholen: Wege, Dauer & Kosten
Der Hauptschulabschluss lässt sich auf dem Zweiten Bildungsweg in rund 10 bis 24 Monaten nachholen - über die Volkshochschule, ein Berufsvorbereitungsjahr (BVJ), eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB) der Agentur für Arbeit, eine Abendschule, einen Fernkurs oder die Externenprüfung. Der Hauptschulabschluss ist der grundlegende allgemeinbildende Schulabschluss und damit für viele Berufsausbildungen die formale Mindestvoraussetzung; je nach Bundesland trägt er Bezeichnungen wie Berufsbildungsreife, Berufsreife oder Erster allgemeinbildender Schulabschluss.
Wer die Pflichtschulzeit ohne Abschluss beendet hat, hat heute mehrere geregelte Möglichkeiten, den Hauptschulabschluss nachträglich zu erwerben. Die Gründe für einen fehlenden Abschluss sind verschieden - Krankheit, schwierige Familienverhältnisse, Schulwechsel oder eine Phase ohne Lernmotivation. Eine feste Altersgrenze für das Nachholen gibt es nicht; die meisten Angebote setzen lediglich die Erfüllung der Vollzeitschulpflicht und teilweise ein Mindestalter von 16 oder 17 Jahren voraus.
Was bedeutet der Hauptschulabschluss?
Der Hauptschulabschluss markiert das Ende der Sekundarstufe I in ihrer kürzesten Form und damit in der Regel das Ende der allgemeinen Schulpflicht in Deutschland. Inhaltlich umfasst die Hauptschule die Klassen 5 bis 9, in einzelnen Bundesländern bis Klasse 10. Der Abschluss bescheinigt das Erreichen der vorgesehenen Bildungsziele in Deutsch, Mathematik, Englisch, Naturwissenschaften, Gesellschaftslehre und in der Regel einem Wahlpflichtbereich.
Die Bezeichnungen unterscheiden sich zwischen den Bundesländern. Eine Auswahl:
| Bundesland | Offizielle Bezeichnung |
|---|---|
| Berlin, Brandenburg | Berufsbildungsreife (BBR) |
| Hamburg, Schleswig-Holstein | Erster allgemeinbildender Schulabschluss (ESA) |
| Bremen | Einfache Berufsbildungsreife |
| Rheinland-Pfalz | Berufsreife |
| Niedersachsen, NRW, Hessen, Bayern, Sachsen u. a. | Hauptschulabschluss |
Die Bezeichnungen aller Schulabschlüsse in den Bundesländern werden in einer eigenen Übersicht erläutert. Trotz unterschiedlicher Namen sind die Abschlüsse bundesweit gleichwertig anerkannt.
Wer benötigt einen Hauptschulabschluss?
Der Hauptschulabschluss ist für die meisten dualen Berufsausbildungen die formale Mindestvoraussetzung. Ohne ihn bleibt der Zugang zu vielen Ausbildungsstellen erschwert, weil Betriebe ohne formalen Abschluss Bewerbende seltener berücksichtigen. Wer den Hauptschulabschluss nachholt, eröffnet sich damit den Einstieg in Ausbildungsberufe etwa in Handwerk, Industrie, Pflege und Logistik.
Ebenso ist der Hauptschulabschluss die Eingangsvoraussetzung für den nächsthöheren Sekundarabschluss I beziehungsweise den Realschulabschluss. Wer mittelfristig die mittlere Reife oder das Abitur anstrebt, beginnt häufig mit dem Hauptschulabschluss als erstem Schritt.
Wege zum Hauptschulabschluss
Mehrere Wege führen zum Hauptschulabschluss. Welcher geeignet ist, hängt vom Alter, der bisherigen Schullaufbahn, dem Berufsstatus und den finanziellen Möglichkeiten ab.
Berufsvorbereitungsjahr (BVJ)
Das Berufsvorbereitungsjahr ist ein einjähriger Vollzeit-Bildungsgang an Berufsschulen für Jugendliche ohne Hauptschulabschluss. Neben einer praktischen Berufsorientierung in verschiedenen Berufsfeldern wird allgemeinbildender Unterricht in Deutsch, Mathematik und Englisch erteilt. Mit erfolgreicher Teilnahme und Abschlussprüfung lässt sich der Hauptschulabschluss erwerben. Das BVJ ist in den meisten Bundesländern kostenfrei.
Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB)
Die berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme der Bundesagentur für Arbeit richtet sich an junge Menschen ohne Ausbildungsplatz und ohne Schulabschluss. Sie kombiniert berufliche Orientierung mit allgemeinbildendem Unterricht und kann mit einer Hauptschulabschlussprüfung enden. Die Teilnahme ist kostenfrei und wird in der Regel mit einer Berufsausbildungsbeihilfe finanziell unterstützt.
Volkshochschule (VHS)
Volkshochschulen bieten Vorbereitungskurse für den Hauptschulabschluss in Teilzeit oder am Abend. Die Kursdauer liegt meist bei 12 bis 18 Monaten, die Gebühren in der Größenordnung von 200 bis 1.200 Euro insgesamt. Für einkommensschwache Teilnehmende gibt es Ermäßigungen oder vollständige Befreiungen. Die VHS gilt als niedrigschwelliger Einstieg, gut geeignet für Personen ohne stabile Lernroutine.
Externenprüfung
Ohne Besuch einer Schule lässt sich der Hauptschulabschluss als Externenprüfung - auch Nichtschülerprüfung genannt - direkt beim zuständigen Schulamt ablegen. Die Vorbereitung erfolgt eigenständig, im Selbststudium oder begleitet durch einen Vorbereitungskurs. Diese Form richtet sich vor allem an Personen mit Vorkenntnissen, die einen formalen Abschluss kurzfristig benötigen.
Berufsschule während einer Ausbildung
Auszubildende ohne Hauptschulabschluss erwerben diesen in vielen Bundesländern automatisch mit der bestandenen Berufsausbildung. Voraussetzung ist meist eine bestandene Berufsschulabschlussprüfung mit ausreichenden Leistungen in Deutsch, Mathematik und Englisch. Diese Variante ist kostenfrei und während der ohnehin verpflichtenden Berufsschule absolvierbar - die effektivste Lösung für Auszubildende ohne formalen Schulabschluss.
Fernkurs / Fernschule
Fernkurse vermitteln den Stoff über Lehrhefte, Online-Lernplattformen und einzelne Präsenzphasen. Das Lernpensum lässt sich auf einzelne Wochentage und Tageszeiten verteilen, ohne festen Stundenplan. Die Kursgebühren liegen für den Hauptschulabschluss in der Größenordnung von 1.500 bis 2.500 Euro über typischerweise 18 Monate. Die Abschlussprüfung selbst findet als externe Prüfung an einer staatlichen Schule statt.
Voraussetzungen und Zugang
Die genauen Zulassungsregeln variieren zwischen den Bundesländern. Einige Eckpunkte gelten bundesweit:
- Mindestalter: meist 16 oder 17 Jahre, in Einzelfällen ab 15 mit besonderer Genehmigung.
- Vollzeitschulpflicht: muss in der Regel beendet sein. Wer noch in der allgemeinen Schulpflicht steht, besucht stattdessen die reguläre Schule.
- Vorbildung: meist genügt der Nachweis über mindestens neun absolvierte Schuljahre, auch ohne Abschluss.
- Sprachkenntnisse: ausreichende Deutschkenntnisse sind Voraussetzung. Für Personen mit Migrationshintergrund gibt es vorgeschaltete Sprachförderkurse.
Dauer und zeitlicher Aufwand
- BVJ (Vollzeit): ein Schuljahr, etwa 35 Schulstunden pro Woche.
- BvB: bis zu 18 Monate, vergleichbarer Wochenstundenrahmen.
- VHS (Teilzeit/Abend): 12-18 Monate, 6-12 Unterrichtsstunden pro Woche plus Lernzeit.
- Fernkurs: 18-24 Monate, empfohlen werden 8-12 Stunden Lernzeit pro Woche.
- Externenprüfung: 6-12 Monate Vorbereitung je nach Vorkenntnissen.
- Berufsschule während Ausbildung: erfolgt parallel zur Ausbildung, kein gesonderter Zeitaufwand.
Was kostet das Nachholen des Hauptschulabschlusses?
Im Vergleich zu höheren Abschlüssen ist das Nachholen des Hauptschulabschlusses an staatlichen Einrichtungen häufig kostenfrei. Eine Übersicht:
| Lernform | Kursgebühr | Zusätzlich |
|---|---|---|
| BVJ an staatlicher Berufsschule | kostenfrei | Lehrmaterial 50-150 € |
| BvB der Agentur für Arbeit | kostenfrei | Berufsausbildungsbeihilfe möglich |
| VHS | 200-1.200 € insgesamt | Lehrmaterial 30-100 € |
| Berufsschule (während Ausbildung) | kostenfrei | - |
| Fernkurs | 1.500-2.500 € | Prüfungsgebühr 50-100 € |
| Externenprüfung | 50-100 € Prüfungsgebühr | Vorbereitungskurs nach Bedarf |
Eine umfassende Kostenübersicht aller Schulabschluss-Wege findet sich auf der Seite Kosten.
Finanzierung und Förderung
Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit
Für Personen, die bei der Bundesagentur für Arbeit oder beim Jobcenter gemeldet sind, kann ein Bildungsgutschein erteilt werden. Damit übernimmt die Bundesagentur die Kosten für anerkannte Kurse zum Nachholen des Hauptschulabschlusses, einschließlich Fernkurse zertifizierter Anbieter. Voraussetzung ist meist die Einschätzung der Vermittlungsfachkraft, dass der fehlende Abschluss die Vermittlung in eine Ausbildung wesentlich erschwert.
Schüler-BAföG
Wer an einer Abendschule, einem Kolleg oder einer vergleichbaren Einrichtung den Hauptschulabschluss als Teil eines höheren Bildungswegs nachholt, kann Schüler-BAföG erhalten. Anders als das Studierenden-BAföG handelt es sich um einen vollen Zuschuss ohne Rückzahlungspflicht. Stand 2025/26 liegen die monatlichen Sätze in der Größenordnung von 700-950 Euro für Volljährige außerhalb des Elternhaushalts. Anträge laufen über das örtliche Amt für Ausbildungsförderung.
Bürgergeld und Berufsausbildungsbeihilfe
Während der Teilnahme an einer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme (BvB) wird in der Regel Berufsausbildungsbeihilfe gezahlt. Empfangende von Bürgergeld bleiben während einer förderfähigen Maßnahme im Leistungsbezug; zusätzlich werden Fahrt- und Lernmittelkosten häufig übernommen.
Eine Übersicht aller Förderwege findet sich unter Fördermöglichkeiten und Zuschüsse.
Häufige Sonderfälle
Hauptschulabschluss während einer Berufsausbildung
Auszubildende ohne formalen Hauptschulabschluss erwerben diesen in den meisten Bundesländern automatisch mit der bestandenen Berufsausbildung. Voraussetzung ist eine bestandene Berufsschulabschlussprüfung mit ausreichenden Noten in Deutsch, Mathematik und Englisch. Details: Schulabschluss während der Ausbildung nachholen.
Hauptschulabschluss nach abgebrochener Schullaufbahn
Wer die Hauptschule oder einen vergleichbaren Bildungsgang vorzeitig verlassen hat, kann den Abschluss zu einem späteren Zeitpunkt nachholen - unabhängig davon, wie lange der Schulabbruch zurückliegt. Vorhandene Schulzeugnisse werden bei der Anmeldung zur Externenprüfung oder zum BVJ berücksichtigt.
Hauptschulabschluss mit Migrationshintergrund
Für Personen mit nicht-deutscher Erstsprache gibt es vorgeschaltete Sprachförderkurse, die in den Bildungsgang zum Hauptschulabschluss übergehen. Ein Anerkennungsverfahren für ausländische Schulzeugnisse erleichtert den Einstieg, sofern bereits ein vergleichbarer Abschluss im Herkunftsland erworben wurde. Auskunft erteilen die regionalen Anerkennungsstellen der Bundesländer.
Welcher Weg eignet sich für welche Lebenssituation?
- Jugendliche unter 21 ohne Ausbildungsplatz: BVJ oder BvB sind kostenfrei, vollzeitorientiert und kombinieren Berufsorientierung mit Abschluss. Anlaufstelle: Agentur für Arbeit.
- Auszubildende ohne Schulabschluss: Der Abschluss wird in den meisten Bundesländern mit der bestandenen Ausbildung erworben - keine zusätzliche Schule nötig.
- Berufstätige Erwachsene: VHS-Kurse in Teilzeit oder Abendangebote sind die übliche Wahl. Bei stark zeitgebundenem Beruf kommt ein Fernkurs in Betracht.
- Mit Familienverantwortung: Fernkurs oder Externenprüfung erlauben das Lernen außerhalb fester Schulzeiten.
- Mit Studienwunsch oder höherem Abschlussziel: Der Hauptschulabschluss ist der erste Schritt; im Anschluss kommt der Sekundarabschluss beziehungsweise Realschulabschluss.
Vor der Entscheidung empfiehlt sich ein Beratungsgespräch bei der Schulberatung der Kommune oder bei der Agentur für Arbeit. Weitere Anlaufstellen finden sich unter Tipps und Links.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, den Hauptschulabschluss nachzuholen?
Die Dauer hängt von der Lernform ab. Ein BVJ in Vollzeit dauert ein Schuljahr. VHS-Kurse in Teilzeit umfassen 12 bis 18 Monate, Fernkurse 18 bis 24 Monate. Wer sich für die Externenprüfung selbst vorbereitet, benötigt je nach Vorkenntnissen 6 bis 12 Monate.
Was kostet das Nachholen des Hauptschulabschlusses?
An staatlichen Berufsschulen (BVJ) und in der BvB der Agentur für Arbeit ist die Teilnahme kostenfrei. VHS-Kurse liegen bei 200 bis 1.200 Euro insgesamt. Private Fernschulen verlangen 1.500 bis 2.500 Euro. Die Externenprüfung kostet rund 50 bis 100 Euro Prüfungsgebühr.
Welche Förderung kommt für den Hauptschulabschluss infrage?
Wer bei der Agentur für Arbeit gemeldet ist, kann einen Bildungsgutschein für anerkannte Kurse erhalten. An Abendschulen und Kollegs ist Schüler-BAföG möglich. Während einer BvB wird Berufsausbildungsbeihilfe gezahlt. Bürgergeld-Empfangende behalten ihre Leistungen während förderfähiger Maßnahmen.
Gibt es eine Altersgrenze für den Hauptschulabschluss?
Eine obere Altersgrenze existiert nicht. Das Mindestalter liegt je nach Bundesland und Lernform bei 16 oder 17 Jahren. BVJ und BvB richten sich vor allem an junge Menschen unter 25, sind in Einzelfällen aber auch darüber zugänglich.
Lässt sich der Hauptschulabschluss während einer Ausbildung nachholen?
Ja. In den meisten Bundesländern wird der Hauptschulabschluss automatisch mit der bestandenen Berufsausbildung vergeben - Voraussetzung sind ausreichende Noten in Deutsch, Mathematik und Englisch in der Berufsschulabschlussprüfung. Kein gesonderter Schulbesuch nötig.
Welcher Abschluss kommt nach dem Hauptschulabschluss?
Der nächsthöhere Schritt ist der Realschulabschluss beziehungsweise Sekundarabschluss I, der je nach Bundesland unterschiedlich heißt. Er lässt sich an VHS, Abendrealschule, Berufsschule oder Fernkurs nachholen.
Der schnellste Weg für die meisten Berufstätigen ist die Fernschule - ortsunabhängig, im eigenen Tempo. Die drei staatlich zugelassenen Anbieter im direkten Vergleich:
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