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Fachoberschulreife (FOR) nachholen: alle Wege
Die Fachoberschulreife (FOR) ist die offizielle Bezeichnung des mittleren Schulabschlusses in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg - sie entspricht dem Realschulabschluss in anderen Bundesländern. Nachholen lässt sie sich in der Regel innerhalb von 12 bis 36 Monaten über eine Abendrealschule, einen Fernkurs, die Volkshochschule, eine Berufsschule oder die Externenprüfung. Der Name leitet sich aus der Berechtigung ab, eine Fachoberschule zu besuchen - der Inhalt ist mit der bundesweiten mittleren Reife identisch.
Wichtig zur Abgrenzung: Die Fachoberschulreife (FOR) ist nicht zu verwechseln mit der Fachhochschulreife. Beide Bezeichnungen klingen ähnlich, stehen aber für unterschiedliche Abschlüsse. Die Fachoberschulreife ist ein mittlerer Schulabschluss; die Fachhochschulreife ein gehobener Schulabschluss, der zum Studium an einer Fachhochschule berechtigt.
Was bedeutet Fachoberschulreife?
Die Fachoberschulreife ist der mittlere Bildungsabschluss in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Brandenburg. Sie wird am Ende der Klasse 10 an verschiedenen Schulformen vergeben, darunter Realschule, Gesamtschule, Sekundarschule und in einigen Fällen Berufsschule oder Berufskolleg. Inhaltlich vermittelt sie die mittlere Reife, also Kompetenzen in Deutsch, Mathematik, Englisch, Naturwissenschaften, Gesellschaftslehre und einem Wahlpflichtbereich.
Die Bezeichnung leitet sich aus einer der wichtigsten Anschlussmöglichkeiten ab: Mit der Fachoberschulreife kann eine Fachoberschule besucht werden, an der sich die Fachhochschulreife erwerben lässt.
Fachoberschulreife oder Realschulabschluss - gibt es einen Unterschied?
Inhaltlich nein. Fachoberschulreife und Realschulabschluss bezeichnen denselben Bildungsabschluss - die Bezeichnung unterscheidet sich nur regional:
| Bezeichnung | Verwendet in |
|---|---|
| Fachoberschulreife (FOR) | Nordrhein-Westfalen, Brandenburg |
| Realschulabschluss | Baden-Württemberg, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen |
| Mittlerer Schulabschluss (MSA) | Berlin, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen, Schleswig-Holstein |
| Sekundarabschluss I - Realschulabschluss | Niedersachsen |
| Qualifizierter Sekundarabschluss I | Rheinland-Pfalz |
| Mittlerer Abschluss | Hessen |
| Mittlerer Schulabschluss | Bayern |
Trotz unterschiedlicher Namen ist der Abschluss bundesweit gleichwertig anerkannt. Eine vollständige Übersicht aller Schulabschluss-Bezeichnungen findet sich unter Bezeichnungen der Schulabschlüsse.
Fachoberschulreife mit Qualifikationsvermerk (FORQ)
Wer mit besonders guten Noten abschließt, erhält den Qualifikationsvermerk - in NRW als FORQ bezeichnet. Mit der qualifizierten Fachoberschulreife ist der direkte Übergang in die gymnasiale Oberstufe möglich; ohne Qualifikationsvermerk führt der Weg zum Abitur über eine Berufsausbildung oder eine Berufsoberschule.
Die Anforderungen für den Qualifikationsvermerk:
- Notendurchschnitt: in der Regel 3,0 oder besser in allen Pflichtfächern.
- Mindestnoten in den Hauptfächern: mindestens „befriedigend" (Note 3) in Deutsch, Mathematik und Englisch.
- Keine ungenügenden Leistungen: in keinem Pflichtfach „mangelhaft" oder schlechter.
Wer den Erweiterten Realschulabschluss anstrebt, strebt damit denselben qualifizierten Abschluss an.
Wege zur Fachoberschulreife auf dem Zweiten Bildungsweg
Mehrere Wege führen zum nachträglichen Erwerb der Fachoberschulreife. Die Auswahl entscheidet über Tempo, Kosten und Präsenzpflicht.
Abendrealschule
Abendrealschulen sind staatliche Schulen mit Unterricht meist von 17 bis 21 Uhr, an vier bis fünf Werktagen pro Woche. Der Unterricht ist in der Regel kostenfrei. Geeignet für Berufstätige mit stabilem Tagesablauf, die einen anerkannten Abschluss in 24 bis 30 Monaten anstreben.
Volkshochschule (VHS)
Volkshochschulen bieten Vorbereitungskurse für die Fachoberschulreife in Teilzeit oder am Abend, meist über drei bis vier Semester. Die Kursgebühren liegen je nach Träger zwischen 300 und 1.500 Euro insgesamt. Geeignet für Wiedereinsteiger, die sich erst wieder in einen schulischen Lernkontext einfinden müssen.
Fernkurs
Fernkurse vermitteln den Stoff über Lehrhefte, Online-Lernplattformen und einzelne Präsenzphasen. Die Lernzeit lässt sich am Alltag ausrichten. Die Kursgebühren liegen für die Fachoberschulreife bei rund 1.800 bis 3.500 Euro über 18 bis 30 Monate. Die Abschlussprüfung findet als externe Prüfung an einer staatlichen Schule statt.
Berufsschule
Auszubildende mit Hauptschulabschluss können an vielen Berufsschulen die Fachoberschulreife parallel zur Berufsausbildung erwerben. Voraussetzung sind ausreichende Noten in Deutsch, Englisch und Mathematik in der Berufsschulabschlussprüfung. Diese Variante ist kostenfrei. Details: Realschulabschluss während der Ausbildung nachholen.
Externenprüfung
Ohne Besuch einer Schule lässt sich die Fachoberschulreife als Nichtschülerprüfung beim zuständigen Schulamt ablegen. Voraussetzung ist eigenständige Vorbereitung. Geeignet für Personen mit Vorkenntnissen, etwa Quereinsteigende oder Berufserfahrene mit ausreichenden Lernkenntnissen.
Voraussetzungen und Zugang
- Mindestalter: meist 17 Jahre oder älter; an Abendrealschulen oft 18 Jahre.
- Vorbildung: in der Regel der Hauptschulabschluss. Den direkten Erwerb der Fachoberschulreife ohne Hauptschulabschluss ist über bestimmte Fernkurse und über die Externenprüfung möglich (siehe Realschulabschluss ohne Hauptschulabschluss).
- Berufstätigkeit: für Abendrealschulen häufig eine Berufstätigkeit oder eine abgeschlossene Berufsausbildung gefordert.
- Fremdsprachen: Englisch ist üblicherweise verpflichtend. Für Quereinsteigende mit anderer Erstsprache gibt es in einzelnen Bundesländern Sonderregelungen (siehe Schulabschluss ohne Englisch nachholen).
Dauer und Kosten
| Lernform | Dauer | Kursgebühr |
|---|---|---|
| Abendrealschule | 24-30 Monate | meist kostenfrei |
| VHS | 18-24 Monate | 300-1.500 € |
| Fernkurs | 18-30 Monate | 1.800-3.500 € |
| Berufsschule parallel | parallel zur Ausbildung | kostenfrei |
| Externenprüfung | 6-18 Monate Vorbereitung | 80-150 € Prüfungsgebühr |
Eine detaillierte Kostenübersicht findet sich auf der Seite Kosten.
Finanzierung und Förderung
Schüler-BAföG ist die wichtigste Förderung für den Zweiten Bildungsweg. Es wird unter anderem für Abendrealschulen gewährt und nicht zurückgezahlt. Stand 2025/26 liegen die monatlichen Sätze in der Größenordnung von 700-950 Euro für Volljährige außerhalb des Elternhaushalts. Anträge laufen über das örtliche Amt für Ausbildungsförderung.
Für Arbeitsuchende ist ein Bildungsgutschein der Bundesagentur für Arbeit möglich; daneben existieren Bildungskredit des Bundes und Stipendienprogramme. Eine Übersicht: Fördermöglichkeiten und Zuschüsse.
Was kommt nach der Fachoberschulreife?
- Fachoberschule: zwei Jahre bis zur Fachhochschulreife - die namensgebende Anschlussmöglichkeit. Erforderlich kann eine berufliche Vorerfahrung sein.
- Gymnasiale Oberstufe: mit Qualifikationsvermerk (FORQ) direkter Übergang an Gymnasium, Gesamtschule oder Berufliches Gymnasium möglich; Ziel Abitur.
- Berufsausbildung: Zugang zu nahezu allen dualen Ausbildungsberufen; eine Übersicht: Berufe mit Realschulabschluss.
- Berufsoberschule: Weg zur fachgebundenen Hochschulreife - Studium in einem festgelegten Fachbereich (siehe Fachabitur).
- Studium ohne klassisches Abitur: in Verbindung mit Berufsausbildung und Berufserfahrung möglich (siehe Studieren mit Realschulabschluss).
Häufige Fragen
Ist die Fachoberschulreife dasselbe wie der Realschulabschluss?
Ja. Fachoberschulreife (FOR) ist die Bezeichnung in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg für denselben mittleren Schulabschluss, der in anderen Bundesländern Realschulabschluss, Mittlerer Schulabschluss oder Mittlere Reife heißt. Inhaltlich und in der Wertigkeit identisch, bundesweit anerkannt.
Was unterscheidet die FOR von der Fachhochschulreife?
Die Fachoberschulreife ist ein mittlerer Schulabschluss (Sekundarstufe I). Die Fachhochschulreife ist ein gehobener Schulabschluss (Sekundarstufe II) mit Berechtigung zum FH-Studium. Trotz der ähnlichen Namen handelt es sich um zwei verschiedene Bildungsstufen.
Wie lange dauert das Nachholen der Fachoberschulreife?
Die Dauer hängt von der Lernform ab. Eine Abendrealschule rechnet mit 24 bis 30 Monaten, Fernkurse mit 18 bis 30 Monaten, VHS-Kurse mit 18 bis 24 Monaten. Wer sich für die Externenprüfung selbst vorbereitet, kann je nach Vorkenntnissen in 6 bis 18 Monaten zum Abschluss kommen.
Was ist die FORQ?
FORQ steht in Nordrhein-Westfalen für die Fachoberschulreife mit Qualifikationsvermerk. Sie wird bei besonders guten Leistungen vergeben (Notendurchschnitt 3,0 oder besser plus Mindestnoten in den Hauptfächern) und berechtigt zum direkten Übergang in die gymnasiale Oberstufe.
Was kostet das Nachholen?
An staatlichen Abendrealschulen ist die Teilnahme meist kostenfrei. VHS-Kurse liegen bei 300 bis 1.500 Euro insgesamt. Private Fernschulen verlangen 1.800 bis 3.500 Euro. Die Externenprüfung kostet rund 80 bis 150 Euro Prüfungsgebühr.
Lässt sich die Fachoberschulreife ohne Hauptschulabschluss erwerben?
Ja. Über die Externenprüfung oder über bestimmte Fernkurse ohne formale Eingangsvoraussetzung ist der direkte Erwerb möglich. Mehr dazu: Realschulabschluss ohne Hauptschulabschluss nachholen.
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