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Realschulabschluss nachholen: Kosten im Überblick
Die Kosten zum Nachholen eines Schulabschlusses liegen je nach Bildungsweg zwischen praktisch null und rund 5.500 Euro. Den günstigsten Weg bieten staatliche Abendschulen, Kollegs und Berufsschulen - meist kostenfrei. An Volkshochschulen fallen 200 bis 1.500 Euro an, an privaten Fernschulen 1.500 bis 5.500 Euro je nach Abschluss. Die Externenprüfung selbst kostet nur 50 bis 300 Euro Prüfungsgebühr - wer sich autodidaktisch vorbereitet, geht damit die preisgünstigste Variante.
Zur Vollkostenrechnung gehören neben den Kursgebühren auch Lehrmittel, Prüfungsgebühren, Fahrtkosten und gegebenenfalls der Verdienstausfall während einer Vollzeit-Bildungsphase. Wer den Schulabschluss berufsbegleitend nachholt, kann meist im Berufsleben bleiben - bei Vollzeit-Kollegs ist mit deutlichem Einkommensausfall zu rechnen, der durch Förderungen wie Schüler-BAföG ausgeglichen wird.
Kostenübersicht je Lernform
Die Kursgebühren unterscheiden sich erheblich zwischen den verschiedenen Lernformen. Eine Übersicht für den Realschulabschluss als typischen Anwendungsfall:
| Lernform | Kursgebühr | Lehrmittel | Prüfungsgebühr |
|---|---|---|---|
| Abendrealschule (staatlich) | kostenfrei | 50-150 € | - |
| VHS | 300-1.500 € | 50-150 € | 80-150 € |
| Berufsschule (parallel zur Ausbildung) | kostenfrei | - | - |
| Fernkurs (private Fernschule) | 1.800-3.500 € | im Kurspreis | 80-150 € |
| Externenprüfung (Selbststudium) | kostenfrei | 100-300 € | 80-150 € |
Kosten je Abschluss
Höhere Abschlüsse sind in der Regel teurer, weil der Bildungsgang länger dauert und mehr Stoff vermittelt wird:
| Abschluss | Fernkurs | VHS | Staatliche Schule |
|---|---|---|---|
| Hauptschulabschluss | 1.500-2.500 € | 200-1.200 € | kostenfrei (BVJ, Berufsschule) |
| Realschulabschluss | 1.800-3.500 € | 300-1.500 € | kostenfrei (Abendrealschule) |
| Fachhochschulreife | 2.500-4.500 € | 1.500-3.000 € | kostenfrei (Abendoberschule, Kolleg) |
| Abitur | 3.500-5.500 € | nur in Kooperation | kostenfrei (Abendgymnasium, Kolleg) |
Versteckte Kostenfaktoren
Neben den direkten Kursgebühren fallen weitere Kosten an, die in der Planung leicht übersehen werden:
- Verdienstausfall bei Vollzeit-Bildungsgängen: wer ein Kolleg in Vollzeit besucht, kann meist nicht parallel berufstätig sein. Über 24 bis 30 Monate sind das je nach bisherigem Einkommen schnell 30.000 bis 50.000 Euro Brutto-Verdienstausfall. Dieser wird durch Schüler-BAföG teilweise ausgeglichen.
- Fahrtkosten: bei Präsenzphasen, Abendschule oder Berufsschule können monatliche Fahrtkosten von 50 bis 250 Euro entstehen. Häufig durch ein vergünstigtes Bildungs- oder Schülerticket abgedeckt.
- Kinderbetreuung: wer während der Lernzeit Kinder betreuen lassen muss, sollte Betreuungskosten einplanen - je nach Region und Alter 200 bis 800 Euro pro Monat.
- Technische Ausstattung: Computer, Tablet oder spezielle Software bei Fernkursen - 200 bis 800 Euro einmalig.
- Prüfungsanfahrt und Unterkunft: bei Externenprüfungen oder Fernkurs-Abschlussprüfungen sind Anfahrt und gegebenenfalls Übernachtung einzuplanen - 100 bis 300 Euro je Prüfungstermin.
- Lernmittel über das Standardpaket hinaus: ergänzende Übungsbücher, Wörterbücher, Atlas, Taschenrechner - 100 bis 400 Euro insgesamt.
Kostenvergleich nach Lebenssituation
Welcher Weg unterm Strich am günstigsten ist, hängt von der jeweiligen Lebenssituation ab:
- Berufstätig, mit Verdienst: Abendrealschule oder berufsbegleitender Fernkurs sind günstiger als ein Vollzeit-Kolleg, weil der Verdienstausfall entfällt.
- Auszubildende: der Realschulabschluss an der Berufsschule während der Ausbildung ist faktisch kostenfrei - kein Verdienstausfall, keine Kursgebühren.
- Arbeitsuchend / Bürgergeld: ein Bildungsgutschein der Bundesagentur für Arbeit übernimmt häufig die Kursgebühren komplett.
- Ohne Berufstätigkeit, mit Studienwunsch: Vollzeit-Kolleg mit Schüler-BAföG ist meist die finanziell tragbarste Vollzeit-Option.
Was kostet die Externenprüfung selbst?
Wer sich autodidaktisch vorbereitet und die Externenprüfung beim Schulamt ablegt, zahlt nur die reine Prüfungsgebühr:
- Hauptschulabschluss: 50-100 €
- Realschulabschluss: 80-150 €
- Fachhochschulreife: 100-200 €
- Abitur: 200-300 €
Hinzu kommen Lehrmittel und gegebenenfalls die Kosten eines Vorbereitungskurses an einer VHS, einem Fernkurs oder einem privaten Vorbereitungsanbieter. Mehr dazu: Externenprüfung.
Steuerliche Absetzbarkeit
Kursgebühren und Lehrmittel für das Nachholen eines Schulabschlusses sind häufig steuerlich absetzbar - als Werbungskosten bei berufsbedingter Weiterbildung oder als Sonderausgaben bei der ersten Berufsausbildung. Konkret absetzbar sind:
- Kursgebühren und Schulgeld
- Lehrmittel und Fachliteratur
- Fahrtkosten zum Lernort (0,30 €/km oder ÖPNV-Tickets)
- Prüfungsgebühren
- Gegebenenfalls Übernachtungskosten bei Präsenzphasen
Eine steuerliche Beratung im Einzelfall ist empfehlenswert - die genauen Möglichkeiten hängen von der jeweiligen Lebens- und Berufssituation ab.
Häufige Fragen
Was kostet das Nachholen eines Realschulabschlusses?
An staatlichen Abendrealschulen ist die Teilnahme meist kostenfrei. VHS-Kurse liegen bei 300 bis 1.500 Euro insgesamt. Private Fernschulen verlangen 1.800 bis 3.500 Euro. Die Externenprüfung selbst kostet 80 bis 150 Euro Prüfungsgebühr. Hinzu kommen Lehrmittel und Fahrtkosten.
Welche staatliche Schule ist kostenfrei?
Staatliche Abendschulen (Abendrealschule, Abendgymnasium, Abendoberschule), Kollegs und Berufsschulen erheben in der Regel kein Schulgeld. Lehrmittel und gegebenenfalls Fahrtkosten fallen zusätzlich an. Private und gemeinnützige Träger verlangen häufig Gebühren.
Sind Kursgebühren steuerlich absetzbar?
Ja, häufig. Bei berufsbedingter Weiterbildung lassen sich Kursgebühren, Lehrmittel, Fahrtkosten und Prüfungsgebühren als Werbungskosten in der Einkommensteuererklärung geltend machen. Bei der ersten Berufsausbildung als Sonderausgaben bis zu einer jährlichen Höchstgrenze.
Wer übernimmt die Kosten für einen Bildungsgutschein?
Die Bundesagentur für Arbeit übernimmt die Kursgebühren für AZAV-zertifizierte Bildungsanbieter, wenn der Abschluss als notwendig für die berufliche Vermittlung eingeschätzt wird. Empfangende von Bürgergeld stellen den Antrag beim Jobcenter; Arbeitsuchende über die örtliche Arbeitsagentur.
Gibt es Ratenzahlung bei privaten Fernschulen?
Ja, die meisten privaten Fernschulen erlauben monatliche Ratenzahlung ohne Aufpreis über die gesamte Kursdauer. Beispiel: ein Realschulabschluss-Kurs für 2.500 Euro über 25 Monate kostet 100 Euro pro Monat. Bei vorzeitigem Vertragsausstieg gelten die Kündigungsfristen des Anbieters.
Wie hoch ist der Verdienstausfall bei einem Vollzeit-Kolleg?
Ein Kolleg in Vollzeit schließt eine parallele Vollzeit-Berufstätigkeit praktisch aus. Über 24 bis 30 Monate Bildungsphase summiert sich der Verdienstausfall je nach bisherigem Einkommen auf 30.000 bis 50.000 Euro Brutto. Schüler-BAföG (700-950 Euro monatlich) gleicht einen Teil davon aus.
Der schnellste Weg für die meisten Berufstätigen ist die Fernschule - ortsunabhängig, im eigenen Tempo. Die drei staatlich zugelassenen Anbieter im direkten Vergleich:
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