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Realschulabschluss & Abitur am Kolleg nachholen
Das Kolleg ist eine Vollzeitschule des Zweiten Bildungswegs für Erwachsene, an der sich vor allem höhere Schulabschlüsse - Fachhochschulreife, fachgebundene Hochschulreife oder Abitur - nachholen lassen. Anders als an Abendschulen findet der Unterricht tagsüber statt, der wöchentliche Aufwand entspricht mit 30-35 Schulstunden dem eines regulären Gymnasiums. Die Dauer beträgt in der Regel 24 bis 36 Monate; der Besuch ist staatlich gefördert und meist kostenfrei.
Voraussetzung für die Aufnahme an einem Kolleg ist in der Regel eine abgeschlossene Berufsausbildung oder mehrjährige Berufstätigkeit. Damit unterscheidet sich das Kolleg klar vom regulären Gymnasium - es richtet sich an Erwachsene, die nach einer Berufsphase einen höheren Schulabschluss anstreben.
Was ist ein Kolleg?
Ein Kolleg ist eine staatliche oder staatlich anerkannte Schule, die Erwachsenen den nachträglichen Erwerb höherer Schulabschlüsse ermöglicht. Der Unterricht findet tagsüber statt, in der Regel von 8 bis 14 Uhr an fünf Werktagen. Strukturell entspricht das Kolleg einer gymnasialen Oberstufe für Erwachsene mit einer Vorbereitungsphase zur Auffrischung der Mittelstufen-Kenntnisse und einer Hauptphase mit Leistungs- und Grundkursen.
An den meisten Kollegs lassen sich folgende Abschlüsse erwerben:
- Abitur (allgemeine Hochschulreife): die häufigste Variante; berechtigt zum Studium an allen Hochschulen.
- Fachhochschulreife: als Zwischenabschluss oder Hauptziel; berechtigt zum Studium an Fachhochschulen.
- Fachgebundene Hochschulreife: Universitätszugang in einer festgelegten Fachrichtung.
Wie ist der Bildungsgang aufgebaut?
Der Bildungsgang am Kolleg gliedert sich in zwei Phasen:
- Vorkurs / Einführungsphase (6-12 Monate): Auffrischung von Deutsch, Mathematik, Englisch und einer zweiten Fremdsprache. Vorkurse können je nach Vorbildung verkürzt oder übersprungen werden.
- Hauptphase (18-24 Monate): Unterricht in Grund- und Leistungskursen, vergleichbar mit der gymnasialen Oberstufe. Pflichtfächer sind Deutsch, Mathematik, eine erste und zweite Fremdsprache, Naturwissenschaft, Gesellschaftswissenschaft.
- Abschlussprüfung: schriftliche und mündliche Prüfungen am Ende der Hauptphase, vergleichbar mit dem regulären Abitur.
Voraussetzungen für die Aufnahme
- Mindestalter: in der Regel 19 Jahre, an einigen Kollegs 18 Jahre.
- Vorbildung: Realschulabschluss beziehungsweise Sekundarabschluss I. Mit Hauptschulabschluss ist die Aufnahme über einen Vorkurs möglich.
- Berufliche Vorerfahrung: entweder eine abgeschlossene Berufsausbildung oder eine zusammenhängende reguläre Berufstätigkeit von mindestens zwei Jahren. Familienarbeit (Kindererziehung, Pflege) wird in den meisten Bundesländern angerechnet.
- Sprachkenntnisse: Deutschkenntnisse auf Niveau B2 oder höher.
Dauer und Kosten
| Abschluss | Dauer | Wochenstunden | Kosten |
|---|---|---|---|
| Fachhochschulreife | 24-30 Monate | 30-35 | meist kostenfrei |
| Fachgebundene Hochschulreife | 24-36 Monate | 30-35 | meist kostenfrei |
| Abitur (allgemeine Hochschulreife) | 30 Monate | 30-35 | meist kostenfrei |
Zusätzlich zu den Unterrichtsstunden fallen 10-15 Stunden Vor- und Nachbereitung pro Woche an. Bei Lehrmaterial sind 100-250 Euro pro Schuljahr zu kalkulieren.
Finanzierung und Förderung
Das Schüler-BAföG ist die zentrale Förderung für Lernende an Kollegs. Anders als beim Studierenden-BAföG handelt es sich um einen vollen Zuschuss ohne Rückzahlungspflicht - passend zur Vollzeit-Belastung, die in der Regel eine Berufstätigkeit ausschließt. Stand 2025/26 liegen die monatlichen Sätze in der Größenordnung von 700-950 Euro für Volljährige außerhalb des Elternhaushalts.
Daneben gibt es den Bildungskredit des Bundes (bis 7.200 Euro Gesamtsumme) und das Aufstiegsstipendium der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung. Eine Übersicht: Fördermöglichkeiten und Zuschüsse.
Für wen eignet sich das Kolleg?
- Erwachsene ohne Vollzeitberuf: wer den Beruf für die Bildungsphase pausieren kann oder ohnehin nicht in Vollzeit tätig ist, profitiert von der Vollzeit-Struktur.
- Personen mit Studienwunsch: der Vollzeit-Bildungsgang am Kolleg ist eine direkte Vorbereitung auf das Studium, mit ähnlichem Anforderungsniveau.
- Lernende, die Struktur brauchen: fester Stundenplan, Klassenverband und unmittelbarer Kontakt zu Lehrkräften unterstützen die Disziplin.
- Personen mit BAföG-Berechtigung: das Schüler-BAföG sichert den Lebensunterhalt während der Vollzeitphase.
Wer im Beruf bleiben möchte oder Familienverantwortung hat, kommt mit einer Abendschule oder einem Fernkurs meist besser zurecht. Das Kolleg setzt eine Vollzeit-Verfügbarkeit voraus, die nicht für jede Lebenssituation realisierbar ist.
Kolleg finden
Kollegs gibt es nicht in jeder Stadt - sie konzentrieren sich auf Mittel- und Großstädte. Eine Übersicht über die staatlichen und staatlich anerkannten Kollegs bietet die Schulberatung der Kommune oder das Schulministerium des jeweiligen Bundeslands. Vor der Anmeldung lohnt ein Informationsabend oder eine persönliche Beratung am ausgewählten Kolleg.
Häufige Fragen
Welche Abschlüsse lassen sich am Kolleg erwerben?
An den meisten Kollegs sind Fachhochschulreife, fachgebundene Hochschulreife und Abitur möglich. Welcher Abschluss konkret verfügbar ist, hängt vom jeweiligen Kolleg ab. Das Abitur ist der häufigste angestrebte Abschluss; die Fachhochschulreife wird häufig als Zwischenabschluss bescheinigt.
Wie lange dauert der Bildungsgang?
Die Gesamtdauer liegt bei 24 bis 36 Monaten - abhängig vom angestrebten Abschluss und der vorhandenen Vorbildung. Der Vorkurs umfasst 6 bis 12 Monate, die Hauptphase 18 bis 24 Monate. Wer die Voraussetzungen für die Hauptphase direkt erfüllt, kann den Vorkurs überspringen.
Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?
Mindestalter meist 19 Jahre, Realschulabschluss als Vorbildung, abgeschlossene Berufsausbildung oder mindestens zwei Jahre reguläre Berufstätigkeit. Familienarbeit wird in den meisten Bundesländern angerechnet. Deutschkenntnisse auf Niveau B2 oder höher.
Was kostet der Besuch eines Kollegs?
Staatliche Kollegs sind in der Regel kostenfrei. Hinzu kommen Lehrmittel von 100 bis 250 Euro pro Schuljahr und gegebenenfalls Fahrtkosten. Die Vollzeit-Belastung bedeutet meist Verzicht auf Berufseinkommen - die Finanzierung erfolgt häufig über Schüler-BAföG.
Gibt es Schüler-BAföG für das Kolleg?
Ja. Schüler-BAföG wird für staatliche und staatlich anerkannte Kollegs gewährt. Anders als beim Studierenden-BAföG handelt es sich um einen vollen Zuschuss ohne Rückzahlungspflicht. Die monatlichen Sätze für Volljährige außerhalb des Elternhaushalts liegen bei 700 bis 950 Euro (Stand 2025/26).
Ist ein Kolleg neben dem Beruf möglich?
Nein. Das Kolleg ist eine Vollzeitschule mit 30 bis 35 Wochenstunden plus 10 bis 15 Stunden Vor- und Nachbereitung. Eine parallele Vollzeit-Berufstätigkeit ist praktisch nicht möglich. Wer im Beruf bleiben möchte, sollte stattdessen eine Abendschule oder einen Fernkurs wählen.
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