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Sekundarabschluss I nachholen: die mittlere Reife
Der Begriff Sekundarabschluss I bezeichnet je nach Bundesland einen mittleren Schulabschluss - in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz ist der Sekundarabschluss I die offizielle Bezeichnung für den Realschulabschluss. Nachholen lässt er sich in der Regel innerhalb von 12 bis 36 Monaten - über eine Abendrealschule, einen Fernkurs, die Volkshochschule, eine Berufsschule oder die Externenprüfung.
Sekundarabschluss und Realschulabschluss sind in den genannten Bundesländern Synonyme - eine Entscheidung zwischen den beiden ist nicht zu treffen. Wer „Sekundarabschluss nachholen" sucht, möchte in den meisten Fällen schlicht den mittleren Bildungsabschluss erwerben, der bundesweit anerkannt ist und die Voraussetzung für weiterführende Bildungswege wie Fachhochschulreife, Fachabitur oder Abitur bildet.
Was bedeutet Sekundarabschluss?
Die Sekundarstufe ist eine der fünf Stufen des deutschen Bildungssystems. Sie schließt an die Primarstufe (Grundschule) an und gliedert sich in zwei Abschnitte:
- Sekundarstufe I: umfasst in der Regel die Klassen 5 bis 10 und vermittelt die mittlere Bildung. Sie endet je nach Schulform und Leistungsniveau mit dem Hauptschulabschluss, dem Realschulabschluss oder dem Erweiterten Realschulabschluss.
- Sekundarstufe II: umfasst die Klassen 11 bis 13 (in vielen Bundesländern bis Klasse 12). Sie führt zur Fachhochschulreife oder zur allgemeinen Hochschulreife (Abitur).
Der Sekundarabschluss I bezeichnet also den Abschluss am Ende der mittleren Bildungsstufe. In den drei oben genannten Bundesländern ist dies die offizielle Bezeichnung, in anderen Bundesländern wird derselbe Abschluss als Realschulabschluss, Mittlerer Schulabschluss (MSA), Mittlerer Bildungsabschluss oder Qualifizierter Sekundarabschluss I geführt.
Bezeichnungen je Bundesland
Der mittlere Schulabschluss trägt je nach Bundesland unterschiedliche Namen. Eine Übersicht:
| Bundesland | Offizielle Bezeichnung |
|---|---|
| Berlin, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern | Mittlerer Schulabschluss (MSA) |
| Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen | Sekundarabschluss I - Realschulabschluss |
| Rheinland-Pfalz | Qualifizierter Sekundarabschluss I |
| Hessen | Mittlerer Abschluss |
| Bayern | Mittlerer Schulabschluss |
| Baden-Württemberg, Saarland | Realschulabschluss / Mittlere Reife |
| Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen | Realschulabschluss |
| Schleswig-Holstein, Bremen | Mittlerer Schulabschluss |
Trotz unterschiedlicher Namen sind alle diese Abschlüsse bundesweit gleichwertig anerkannt. Eine Detailübersicht aller Bezeichnungen der Schulabschlüsse erläutert die regionalen Eigenheiten.
Schulformen der Sekundarstufe I
Innerhalb der Sekundarstufe I gibt es in Deutschland eine Reihe verschiedener Schulformen, die zum Sekundarabschluss I führen können:
- Hauptschule - endet je nach Bundesland mit Hauptschulabschluss oder bei Zusatzqualifikation mit Sekundarabschluss I
- Realschule - der klassische Weg zur mittleren Reife
- Regelschule, Oberschule, Sekundarschule - kombinierte Schulformen, die je nach Leistungsniveau verschiedene Abschlüsse vergeben
- Mittelschule - vor allem in Bayern und Sachsen verbreitet
- Gesamtschule - integrierte Schulform mit allen Bildungsgängen
- Gymnasium - vergibt Sekundarabschluss I am Ende der Mittelstufe (Klasse 10) als Zwischenabschluss
- Förderschule - mit angepassten Bildungsgängen, ebenfalls Abschluss-vergebend
Sekundarabschluss I oder Erweiterter Sekundarabschluss I?
Innerhalb der Sekundarstufe I wird häufig zusätzlich zwischen einem einfachen und einem erweiterten Abschluss unterschieden:
- Sekundarabschluss I - Realschulabschluss: bescheinigt das Erreichen der Mittleren Reife. Eröffnet Zugang zu vielen Berufsausbildungen, zu Berufsfachschulen und in Verbindung mit weiterer Qualifizierung zur Fachoberschule.
- Erweiterter Sekundarabschluss I: wird bei besonders guten Leistungen vergeben (oft Notendurchschnitt 3,0 oder besser plus bestimmte Einzelnoten). Er berechtigt zum direkten Übergang in die gymnasiale Oberstufe (Sekundarstufe II) und damit zum Weg zum Abitur - ohne den Umweg über eine zusätzliche berufliche Qualifikation.
Wer den Erweiterten Realschulabschluss nachholen möchte, plant in den meisten Fällen einen Übergang ins Abitur oder Fachabitur ein.
Wege zum Sekundarabschluss I auf dem Zweiten Bildungsweg
Für die Vorbereitung auf den Sekundarabschluss I auf dem Zweiten Bildungsweg gibt es mehrere Wege. Die Auswahl entscheidet über Tempo, Kosten und Präsenzpflicht.
Abendrealschule
Die Abendrealschule ist eine staatliche Schule mit Unterricht in der Regel von 17 bis 21 Uhr, an vier bis fünf Werktagen pro Woche. Der Unterricht ist meist kostenfrei. Geeignet für Berufstätige mit stabilem Tagesablauf, die einen anerkannten Abschluss in 24 bis 30 Monaten anstreben.
Volkshochschule (VHS)
Volkshochschulen bieten Vorbereitungskurse für den Sekundarabschluss I, oft als Teilzeit-Lehrgang über drei bis vier Semester. Die Kursgebühren liegen je nach Träger zwischen 300 und 1.500 Euro insgesamt. Die VHS ist besonders für Wiedereinsteiger geeignet, die sich erst wieder in einen schulischen Lernkontext einfinden müssen.
Fernkurs
Fernkurse vermitteln den Stoff über Lehrhefte, Online-Lernplattformen und einzelne Präsenzphasen. Die Lernzeit lässt sich am Alltag ausrichten - gerade für Schichtarbeitende oder Eltern oft die einzige praktikable Form. Die Kursgebühren liegen für den Sekundarabschluss I bei rund 1.800 bis 3.500 Euro über 18 bis 30 Monate. Die Abschlussprüfung findet als externe Prüfung an einer staatlichen Schule statt.
Berufsschule während der Ausbildung
Auszubildende mit Hauptschulabschluss können an vielen Berufsschulen den Sekundarabschluss I parallel zur Berufsausbildung erwerben. Voraussetzung sind ausreichende Noten in Deutsch, Englisch und Mathematik in der Berufsschulabschlussprüfung. Diese Variante ist kostenfrei. Details: Realschulabschluss während der Ausbildung nachholen.
Externenprüfung
Ohne Besuch einer Schule lässt sich der Sekundarabschluss I als Nichtschülerprüfung beziehungsweise Externenprüfung direkt beim zuständigen staatlichen Schulamt ablegen. Voraussetzung ist eigenständige Vorbereitung. Geeignet für Personen mit Vorkenntnissen, etwa Quereinsteigende mit ausländischem Abschluss oder Berufserfahrene mit ausreichenden Lernkenntnissen.
Voraussetzungen und Zugang
- Mindestalter: meist 17 Jahre oder älter; für Abendrealschulen oft 18 Jahre.
- Vorbildung: in der Regel der Hauptschulabschluss. Den Sekundarabschluss I direkt ohne vorherigen Hauptschulabschluss anzustreben ist über die Externenprüfung oder bestimmte Fernkurse möglich (siehe Realschulabschluss ohne Hauptschulabschluss).
- Berufstätigkeit: für Abendrealschulen ist häufig eine Berufstätigkeit, eine abgeschlossene Berufsausbildung oder eine berufliche Praxisphase Voraussetzung.
- Fremdsprachen: Englisch ist üblicherweise verpflichtend. Für Quereinsteigende mit anderer Erstsprache gibt es in einzelnen Bundesländern Sonderregelungen (siehe Schulabschluss ohne Englisch nachholen).
Dauer und zeitlicher Aufwand
- Abendrealschule (Teilzeit): 24-30 Monate, wöchentlich 12-18 Unterrichtsstunden plus Lernzeit.
- VHS (Teilzeit): 18-24 Monate, 6-10 Unterrichtsstunden pro Woche.
- Fernkurs: 18-30 Monate, 10-15 Stunden Lernzeit pro Woche empfohlen.
- Externenprüfung (Selbststudium): 6-18 Monate Vorbereitung je nach Vorkenntnissen.
- Berufsschule (parallel zur Ausbildung): kein gesonderter Zeitaufwand.
Die nominale Kursdauer entspricht in der Regel nicht der tatsächlichen Lernzeit. Wer parallel berufstätig ist oder Kinder betreut, sollte realistisch 20-40 Prozent länger einplanen.
Was kostet das Nachholen des Sekundarabschlusses I?
| Lernform | Kursgebühr | Zusätzlich |
|---|---|---|
| Abendrealschule (staatlich) | meist kostenfrei | Lehrmaterial 50-150 € |
| VHS | 300-1.500 € | Lehrmaterial 50-150 € |
| Berufsschule (parallel) | kostenfrei | - |
| Fernkurs (privat) | 1.800-3.500 € | Prüfungsgebühren 80-150 € |
| Externenprüfung | 80-150 € Prüfungsgebühr | Vorbereitungskurs nach Bedarf |
Eine detaillierte Aufschlüsselung der Wege und Anbieter findet sich auf der Seite Kosten.
Finanzierung und Förderung
Das Schüler-BAföG ist die wichtigste Förderung für den Zweiten Bildungsweg. Es wird für Abendrealschulen, Kollegs und vergleichbare Einrichtungen gewährt und muss nicht zurückgezahlt werden. Stand 2025/26 liegen die monatlichen Sätze in der Größenordnung von 700-950 Euro für Volljährige außerhalb des Elternhaushalts. Anträge laufen über das örtliche Amt für Ausbildungsförderung.
Für Personen mit Bezug zur Bundesagentur für Arbeit kommt ein Bildungsgutschein in Frage, wenn der Sekundarabschluss als notwendig für die berufliche Vermittlung eingeschätzt wird. Daneben gibt es den Bildungskredit des Bundes (bis 7.200 Euro Gesamtsumme) und Stipendienprogramme wie das Aufstiegsstipendium der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung. Eine Übersicht aller Wege: Fördermöglichkeiten und Zuschüsse.
Was kommt nach dem Sekundarabschluss I?
Mit dem Sekundarabschluss I stehen mehrere Anschluss-Wege offen:
- Berufsausbildung: Zugang zu nahezu allen dualen Ausbildungsberufen, einschließlich gut bezahlter Berufe in Industrie, Handel, Pflege und Technik. Eine Übersicht: Berufe mit Realschulabschluss.
- Fachhochschulreife: über eine Berufsoberschule, eine Fachoberschule oder einen Fernkurs erreichbar (siehe Fachhochschulreife nachholen und Fachoberschulreife).
- Fachabitur: die fachgebundene Hochschulreife erlaubt das Studium in einem festgelegten Fachbereich an einer Universität (siehe Fachabitur nachholen).
- Abitur: mit dem Erweiterten Sekundarabschluss I ist der direkte Übergang in die gymnasiale Oberstufe möglich; ohne Erweiterten Abschluss führt der Weg über eine Berufsausbildung an ein Abendgymnasium oder Kolleg (siehe Abitur nachholen).
- Studium ohne klassisches Abitur: In bestimmten Konstellationen ist mit der mittleren Reife plus Berufsausbildung und Berufserfahrung ein Hochschulzugang ohne Abitur möglich (siehe Studieren mit Realschulabschluss).
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Sekundarabschluss und Realschulabschluss?
In Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz sind beide Bezeichnungen Synonyme - der Sekundarabschluss I ist dort der offizielle Name für den Realschulabschluss. In anderen Bundesländern heißt derselbe Abschluss Mittlerer Schulabschluss, Mittlere Reife oder Mittlerer Abschluss.
Wie lange dauert es, den Sekundarabschluss I nachzuholen?
Die Dauer liegt je nach Lernform zwischen 12 und 36 Monaten. Eine Abendrealschule rechnet mit 24 bis 30 Monaten, Fernkurse mit 18 bis 30 Monaten. Wer sich für die Externenprüfung selbst vorbereitet, kann je nach Vorkenntnissen in 6 bis 18 Monaten zum Abschluss kommen.
Was kostet das Nachholen des Sekundarabschlusses I?
An staatlichen Abendrealschulen und Berufsschulen ist die Teilnahme meist kostenfrei. VHS-Kurse liegen bei 300 bis 1.500 Euro. Private Fernschulen verlangen 1.800 bis 3.500 Euro. Die Externenprüfung kostet rund 80 bis 150 Euro Prüfungsgebühr. Hinzu kommen Lehrmittel.
Was ist der Erweiterte Sekundarabschluss I?
Der Erweiterte Sekundarabschluss I wird bei besonders guten Leistungen vergeben - meist mit einem Notendurchschnitt von 3,0 oder besser und bestimmten Mindestnoten in den Hauptfächern. Er berechtigt zum direkten Übergang in die gymnasiale Oberstufe und damit zum Weg zum Abitur.
Welche Förderung kommt für den Sekundarabschluss I infrage?
Die wichtigste Förderung ist das Schüler-BAföG für Abendrealschulen und Kollegs. Für Arbeitsuchende kommt ein Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit infrage. Daneben gibt es den Bildungskredit des Bundes (bis 7.200 Euro) und Stipendienprogramme der Begabtenförderung.
Lässt sich der Sekundarabschluss I ohne Hauptschulabschluss erwerben?
Ja. Über die Externenprüfung oder über bestimmte Fernkurse ohne formale Eingangsvoraussetzung ist der direkte Erwerb möglich. Mehr dazu: Realschulabschluss ohne Hauptschulabschluss nachholen.
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