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Realschulabschluss während der Ausbildung nachholen
Der Realschulabschluss lässt sich während einer laufenden Berufsausbildung auf zwei Wegen erwerben: entweder automatisch mit der bestandenen Berufsausbildung - wenn die schulischen Leistungen ausreichen - oder über einen zusätzlichen Lehrgang während der Ausbildungszeit. In den meisten Bundesländern reicht eine bestandene Berufsausbildung mit Notendurchschnitt 3,0 oder besser in Deutsch, Englisch und Mathematik in der Berufsschulabschlussprüfung. Die Variante ist faktisch kostenfrei - keine zusätzlichen Kursgebühren, kein Verdienstausfall, keine zusätzliche Schulpräsenz neben der Berufsschule.
Für Auszubildende ohne mittleren Schulabschluss ist diese Doppelqualifikation der effizienteste Weg zum Realschulabschluss. Statt eines separaten Bildungsgangs nach Abschluss der Ausbildung wird der Abschluss direkt mitgenommen. Voraussetzung ist eine gewisse Doppelbelastung: parallel zur Ausbildung muss in den Hauptfächern ausreichend gelernt werden, um die geforderten Noten zu erreichen.
Wie funktioniert der parallele Erwerb?
Die duale Berufsausbildung verbindet betriebliche Praxis mit Berufsschulunterricht. Der Berufsschulanteil umfasst meist 8 bis 12 Wochenstunden über die gesamte Ausbildungszeit. In dieser Zeit werden - neben berufsbezogenen Inhalten - auch die Hauptfächer Deutsch, Englisch und Mathematik unterrichtet. Aus den Leistungen in diesen Fächern ergibt sich der Realschulabschluss.
Zwei Mechanismen kommen zur Anwendung:
- Automatische Vergabe: in einigen Bundesländern (Bayern, Baden-Württemberg, NRW) wird der Realschulabschluss automatisch mit der bestandenen Berufsausbildung erteilt, wenn die geforderten Noten erreicht sind.
- Antragsverfahren: in anderen Bundesländern muss der Realschulabschluss bei der Berufsschule beantragt werden. Voraussetzung sind die nachgewiesenen Noten in den Hauptfächern.
Voraussetzungen im Detail
- Bestandene Berufsausbildung: die Abschlussprüfung der zuständigen Kammer (IHK, Handwerkskammer, Landwirtschaftskammer) muss erfolgreich abgelegt sein.
- Notendurchschnitt: in den meisten Bundesländern Notendurchschnitt 3,0 oder besser in Deutsch, Englisch und Mathematik in der Berufsschulabschlussprüfung. In einzelnen Bundesländern abweichend - etwa 3,5 oder mit Mindestnoten je Fach.
- Englischkenntnisse: in der Regel fünf Jahre dokumentierter Englischunterricht. Wer das nicht nachweisen kann, muss Englisch nachholen - über einen zusätzlichen Kurs an der Berufsschule oder ein anerkanntes Englisch-Zertifikat.
- Regelmäßige Berufsschulteilnahme: über die gesamte Ausbildungsdauer.
Was tun, wenn die Englischvoraussetzungen nicht erfüllt sind?
Wer keine ausreichenden Englischvorkenntnisse aus der bisherigen Schulzeit mitbringt - etwa weil der Hauptschulabschluss ohne Englisch erworben wurde - kann auf folgende Wege ausweichen:
- Zusatzunterricht an der Berufsschule: viele Berufsschulen bieten Förderkurse Englisch parallel zur Ausbildung an.
- Anerkanntes Englisch-Zertifikat: etwa TOEFL, Cambridge English, LCCI oder telc - abhängig vom Bundesland und der Berufsschule.
- VHS-Englischkurs: begleitend zur Ausbildung zur Vorbereitung auf die geforderte Niveaustufe.
Mehr zu Sonderregelungen: Schulabschluss ohne Englisch nachholen.
Welche Vorteile bietet dieser Weg?
- Keine Zusatzkosten: kein Schulgeld, keine Lernmittel über das Standardpaket hinaus, keine Prüfungsgebühren.
- Kein Zeitverlust: der Abschluss wird parallel erworben - kein zusätzlicher Bildungsgang nach der Ausbildung.
- Praxisbezug: die berufliche Praxis ergänzt den schulischen Stoff sinnvoll und macht das Lernen häufig konkreter.
- Doppelqualifikation am Ende: Berufsabschluss und Schulabschluss in einer Ausbildung.
- Förderung bleibt: Berufsausbildungsbeihilfe und sonstige Sozialleistungen werden während der Ausbildung weitergezahlt.
Welche Belastung kommt auf Auszubildende zu?
Eine ehrliche Einschätzung: die Doppelqualifikation erfordert höheren Lerneinsatz als eine reine Berufsausbildung. Konkret bedeutet das:
- Zusätzliche Lernzeit: realistisch 5 bis 10 Stunden pro Woche neben der Berufsschulpräsenz, vor allem in den Hauptfächern.
- Klausurvorbereitung: regelmäßige Klausuren in Deutsch, Englisch und Mathematik müssen mit guten Noten bestanden werden.
- Eigeninitiative: Lerngruppen mit Mitauszubildenden oder Nachhilfe können helfen, wenn der Stoff schwerfällt.
- Realistische Selbsteinschätzung: wer in Englisch oder Mathematik große Lücken hat, sollte frühzeitig Unterstützung suchen.
Wer die Doppelbelastung nicht schafft, kann den Realschulabschluss nachträglich über andere Wege erwerben - etwa an einer Abendrealschule, in einem Fernkurs oder über die Externenprüfung.
Alternativen während oder nach der Ausbildung
Falls die parallele Doppelqualifikation nicht möglich ist, bleiben mehrere Alternativen:
- Vorbereitungskurse an der Berufsschule: in einigen Bundesländern und Berufsschulen werden Zusatzkurse außerhalb der regulären Unterrichtszeit angeboten.
- Nach der Ausbildung: Abendrealschule (24-30 Monate) oder Fernkurs (18-30 Monate) für berufstätig gewordene Absolventen.
- Bei abgebrochener Ausbildung: Wiederaufnahme über VHS, Fernkurs oder Externenprüfung - siehe Sekundarabschluss nachholen.
Häufige Fragen
Bekommt man den Realschulabschluss automatisch mit der Ausbildung?
In einigen Bundesländern - etwa Bayern und Baden-Württemberg - wird der Realschulabschluss bei ausreichenden Noten in Deutsch, Englisch und Mathematik automatisch erteilt. In anderen ist ein Antrag bei der Berufsschule erforderlich. Die jeweilige Berufsschule gibt verbindlich Auskunft.
Welche Noten sind erforderlich?
In der Regel ein Notendurchschnitt von mindestens „befriedigend" (3,0) in Deutsch, Englisch und Mathematik in der Berufsschulabschlussprüfung. Genaue Anforderungen variieren - einige Bundesländer fordern Mindestnoten pro Fach, andere nur den Durchschnitt. Im Zweifel die Berufsschule kontaktieren.
Was kostet dieser Weg?
Nichts. Der Berufsschulbesuch ist während der Ausbildung Pflicht und kostenfrei. Es entstehen keine zusätzlichen Gebühren oder Materialkosten für den Realschulabschluss-Erwerb. Lediglich eigene Lernmittel - Vokabeltrainer, Übungsbücher - können bei Bedarf hinzukommen.
Was passiert, wenn die Noten nicht reichen?
Wer die Notenvoraussetzungen nicht erreicht, schließt die Ausbildung dennoch ab - nur eben ohne Realschulabschluss-Vergabe. Der Abschluss lässt sich später nachholen, etwa über eine Abendrealschule, einen Fernkurs oder die Externenprüfung.
Brauche ich Englischkenntnisse?
Ja. Englisch ist verpflichtend. Wer in der bisherigen Schulzeit keinen Englischunterricht hatte - etwa weil der Hauptschulabschluss ohne Englisch erworben wurde - muss Englisch nachholen. Möglich über Zusatzunterricht an der Berufsschule, einen VHS-Kurs oder ein anerkanntes Englisch-Zertifikat.
Lohnt sich die Doppelbelastung?
Ja, in den meisten Fällen. Der Realschulabschluss verbessert die spätere Karriereperspektive erheblich - bessere Aufstiegschancen, höheres Gehalt, Zugang zu Fachhochschulreife oder Aufstiegsfortbildungen. Der Mehraufwand von 5 bis 10 Stunden Lernzeit pro Woche zahlt sich langfristig aus.
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