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Realschulabschluss ohne Hauptschulabschluss nachholen
Den Realschulabschluss ohne vorherigen Hauptschulabschluss nachzuholen ist grundsätzlich möglich - über die Externenprüfung oder über bestimmte private Fernschulen, die ohne formale Eingangsvoraussetzung zulassen. Der Weg ist anspruchsvoller, weil der Bildungsstoff von Klasse 5 bis Klasse 10 in einem Zug aufgeholt werden muss. Üblich sind 24 bis 36 Monate intensiver Selbstvorbereitung oder ein Fernkurs mit erweitertem Stoffumfang.
Eine pragmatischere Variante ist das zweistufige Vorgehen: zuerst den Hauptschulabschluss erwerben - etwa über eine VHS oder einen Fernkurs in 12 bis 18 Monaten - und anschließend den Realschulabschluss. So lässt sich der Stoff in zwei kompakten Etappen bewältigen, mit klarem Etappenziel zwischendurch.
Zwei Strategien
Strategie 1: Direkt zum Realschulabschluss
Wer den Realschulabschluss in einem Zug anstrebt, hat zwei Wege:
- Externenprüfung: direkte Anmeldung zur Realschulabschlussprüfung beim zuständigen Schulamt. Voraussetzungen sind Mindestalter (meist 17 Jahre), erfüllte Schulpflicht und Nachweis einer eigenständigen Vorbereitung. Vorbereitungsdauer: 24 bis 36 Monate.
- Fernkurs ohne Eingangsvoraussetzung: einige private Fernschulen lassen Teilnehmer ohne Hauptschulabschluss zu und bieten erweiterte Lehrpläne, die den Stoff von Klasse 5 bis Klasse 10 abdecken. Dauer: 24 bis 36 Monate. Kosten: 2.500 bis 4.500 Euro.
Vorteil dieser Strategie: ein einziger Bildungsweg mit klarer Zielsetzung. Nachteil: hohe Belastung und langer Atem ohne Zwischenetappe.
Strategie 2: Zweistufig - erst Hauptschulabschluss, dann Realschulabschluss
Der pragmatischere Weg gliedert sich in zwei Etappen:
- Etappe 1: Hauptschulabschluss (12-18 Monate). Über VHS, BVJ, BvB oder Fernkurs - viele Wege sind kostenfrei oder gefördert.
- Etappe 2: Realschulabschluss (18-30 Monate). Direkt im Anschluss über die Abendrealschule, einen Fernkurs, die VHS oder die Externenprüfung.
Vorteil dieser Strategie: klares Zwischenziel mit Erfolgserlebnis nach der ersten Etappe. Förderungen sind besser zugänglich. Insgesamt etwa gleich lange Gesamtdauer wie der direkte Weg.
Welche Anbieter lassen ohne Hauptschulabschluss zu?
Mehrere staatliche und private Wege stehen offen:
- Externenprüfung: bundesweit verfügbar. Der Nachweis einer fachgerechten Vorbereitung muss erbracht werden - durch einen Vorbereitungskurs oder eine schriftliche Begründung des Selbststudiums.
- Private Fernschulen mit erweitertem Lehrplan: einzelne Anbieter wie ILS, SGD oder HAF lassen Teilnehmende ohne Hauptschulabschluss zu, sofern sie ein Mindestalter und ausreichende Deutschkenntnisse mitbringen. Erweiterte Lehrpläne decken den Stoff der Klassen 5 bis 10 ab.
- VHS-Lehrgänge mit Vorkurs: einige Volkshochschulen bieten kombinierte Bildungsgänge an: zuerst Hauptschulabschluss-Vorbereitung, direkt anschließend Realschulabschluss-Vorbereitung.
- BvB / Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme: kombiniert berufliche Orientierung mit Hauptschulabschluss-Vorbereitung; nach Abschluss kann der Realschulabschluss separat angegangen werden.
Voraussetzungen im Überblick
- Mindestalter: für die Externenprüfung zum Realschulabschluss meist 17 oder 18 Jahre, je nach Bundesland.
- Erfüllte Schulpflicht: Bewerbende dürfen keine reguläre Schule mehr besuchen.
- Ausreichende Deutschkenntnisse: Niveau B2 oder höher.
- Nachweis der Vorbereitung: bei der Externenprüfung durch ein Zeugnis eines Vorbereitungskurses oder eine schriftliche Begründung.
- Realistische Selbsteinschätzung: der Stoffumfang ist deutlich größer als bei Lernenden mit Hauptschulabschluss als Eingangsstufe.
Dauer und Kosten im Vergleich
| Strategie | Gesamtdauer | Gesamtkosten |
|---|---|---|
| Direkt: Fernkurs mit erweitertem Lehrplan | 24-36 Monate | 2.500-4.500 € |
| Direkt: Externenprüfung mit Selbststudium | 24-36 Monate | 200-500 € (Lernmittel + Prüfungsgebühr) |
| Zweistufig: VHS Hauptschule + Abendrealschule | 36-48 Monate | 200-1.200 € (VHS) + kostenfrei (Abendrealschule) |
| Zweistufig: BvB + Fernkurs Realschulabschluss | 30-42 Monate | kostenfrei BvB + 1.800-3.500 € Fernkurs |
Förderung beim Weg ohne Hauptschulabschluss
Mehrere Förderwege stehen offen:
- Bildungsgutschein der Bundesagentur für Arbeit: für Arbeitsuchende und Bürgergeld-Empfangende. Übernimmt die Kosten AZAV-zertifizierter Kurse vollständig.
- Berufsausbildungsbeihilfe (BAB): für Teilnehmende einer BvB.
- Schüler-BAföG: ab der zweiten Etappe an Abendrealschulen oder Kollegs möglich.
- Bildungskredit des Bundes: für fortgeschrittene Phasen, bis zu 7.200 Euro.
Eine Übersicht: Fördermöglichkeiten und Zuschüsse.
Welche Strategie passt zu welcher Lebenssituation?
- Junge Erwachsene ohne Ausbildungsplatz: BvB der Agentur für Arbeit als Etappe 1, gefolgt von Fernkurs oder Abendrealschule.
- Berufstätige Erwachsene mit Lernroutine: Fernkurs mit erweitertem Lehrplan in einem Zug - frei einteilbar neben dem Beruf.
- Personen mit klarem Studienwunsch und langem Atem: Externenprüfung mit Vorbereitung an einer VHS für maximale Eigeninitiative.
- Familienverantwortliche: zweistufiges Vorgehen mit VHS-Lehrgängen, die berufstätigem Familienalltag besser entsprechen.
Häufige Fragen
Geht der Realschulabschluss wirklich ohne Hauptschulabschluss?
Ja. Über die Externenprüfung oder bei privaten Fernschulen mit erweitertem Lehrplan ist der direkte Erwerb möglich. Allerdings ist der Stoffumfang deutlich größer, weil die gesamte Sekundarstufe I aufgeholt werden muss. Der zweistufige Weg über den Hauptschulabschluss ist meist pragmatischer.
Wie lange dauert das?
Direktstrategie 24 bis 36 Monate. Zweistufiges Vorgehen mit Hauptschulabschluss als Etappe 1 etwa 36 bis 48 Monate. Die längere Gesamtdauer der zweistufigen Variante bringt klare Etappenziele und meist bessere Fördermöglichkeiten.
Was kostet der Weg ohne Hauptschulabschluss?
Bei der Externenprüfung mit Selbststudium nur 200 bis 500 Euro. Bei privaten Fernschulen mit erweitertem Lehrplan 2.500 bis 4.500 Euro. Die zweistufige VHS-Variante kombiniert mit Abendrealschule kostet 200 bis 1.200 Euro. Förderungen können einen Großteil übernehmen.
Welche Fernschulen lassen ohne Hauptschulabschluss zu?
Einzelne große Anbieter wie ILS, SGD und HAF haben erweiterte Lehrpläne für Teilnehmende ohne Hauptschulabschluss. Die jeweiligen Aufnahmebedingungen variieren - meist sind Mindestalter, ausreichende Deutschkenntnisse und ein Eignungsgespräch erforderlich. Vor Vertragsabschluss die kostenlose Probezeit nutzen.
Welche Förderung kommt infrage?
Für Arbeitsuchende der Bildungsgutschein der Bundesagentur für Arbeit (volle Kostenübernahme bei AZAV-zertifizierten Anbietern). Während einer BvB die Berufsausbildungsbeihilfe. An Abendschulen und Kollegs in der zweiten Etappe Schüler-BAföG. Für den Bildungskredit des Bundes muss eine fortgeschrittene Phase erreicht sein.
Ist der Weg über den Hauptschulabschluss empfehlenswert?
In den meisten Fällen ja. Die zweistufige Variante bringt klare Etappenziele, Lernerfolge bauen aufeinander auf, und Förderungen sind besser zugänglich. Der Hauptschulabschluss als Zwischenstation öffnet zudem auch eigene Möglichkeiten - etwa den Zugang zu einer Berufsausbildung, in der der Realschulabschluss an der Berufsschule erworben werden kann.
Der schnellste Weg für die meisten Berufstätigen ist die Fernschule - ortsunabhängig, im eigenen Tempo. Die drei staatlich zugelassenen Anbieter im direkten Vergleich:
Drei anerkannte Fernschulen im Überblick
Kostenloses Infomaterial direkt beim Anbieter anfordern - vergleichen lohnt sich, die Kurse unterscheiden sich in Dauer, Service und Preis.

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