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Erweiterten Realschulabschluss nachholen: Wege & Vorteile

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Der Erweiterte Realschulabschluss - auch Qualifizierter Realschulabschluss, Realschulabschluss mit Qualifikationsvermerk oder Erweiterter Sekundarabschluss I genannt - ist ein mittlerer Schulabschluss mit Berechtigung zum direkten Übergang in die gymnasiale Oberstufe. Nachholen lässt er sich in der Regel innerhalb von 18 bis 36 Monaten an einer Abendrealschule, in einem Fernkurs, an der Volkshochschule oder über die Externenprüfung. Voraussetzung ist meist ein Notendurchschnitt von 3,0 oder besser sowie bestimmte Mindestnoten in den Hauptfächern.

Wer den regulären Realschulabschluss bereits hat und das Abitur oder Fachabitur anstrebt, kommt am Erweiterten Realschulabschluss nicht vorbei - er bildet die Eintrittskarte in die Sekundarstufe II ohne den Umweg über eine Berufsausbildung. Ebenso interessant ist er für Personen, die sich beruflich umorientieren möchten und einen formal höherwertigen mittleren Schulabschluss als Grundlage benötigen.

Erwachsene Frau am Holztisch arbeitet konzentriert mit zwei aufgeschlagenen Lehrbüchern und Notizbuch zur Vorbereitung auf den Erweiterten Realschulabschluss

Was ist der Erweiterte Realschulabschluss?

Der Erweiterte Realschulabschluss bezeichnet einen höher qualifizierten mittleren Schulabschluss. Inhaltlich entspricht er dem regulären Realschulabschluss; der Unterschied liegt in zusätzlichen Leistungsanforderungen. Wer die geforderten Mindestnoten in Deutsch, Mathematik, Englisch und einigen weiteren Fächern erreicht, erhält den sogenannten Qualifikationsvermerk - und damit das Recht, ohne Umweg in die gymnasiale Oberstufe oder eine vergleichbare Bildungseinrichtung der Sekundarstufe II überzugehen.

Die Bezeichnung variiert zwischen den Bundesländern. Gebräuchlich sind:

BundeslandBezeichnung
Berlin, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-VorpommernMittlerer Schulabschluss mit Qualifikation
NiedersachsenErweiterter Sekundarabschluss I
Nordrhein-WestfalenFachoberschulreife mit Qualifikationsvermerk (FORQ)
Rheinland-PfalzQualifizierter Sekundarabschluss I
Hessen, Bayern, Baden-WürttembergMittlerer Abschluss / Realschulabschluss mit Qualifikation
Sachsen, Sachsen-Anhalt, ThüringenQualifizierter Realschulabschluss

Trotz unterschiedlicher Namen ist der Effekt überall gleich: direkter Zugang zur gymnasialen Oberstufe und damit zum Weg ins Abitur. Eine Detailübersicht findet sich auf der Seite Bezeichnungen der Schulabschlüsse.

Wofür wird der Erweiterte Realschulabschluss benötigt?

Der Erweiterte Realschulabschluss eröffnet drei Wege, die mit dem einfachen Realschulabschluss nicht direkt offenstehen:

Wer keine direkte gymnasiale Oberstufe ansteuert, kann den Erweiterten Realschulabschluss auch als Türöffner zu Ausbildungsplätzen mit anspruchsvollerer Auswahlverfahren nutzen - etwa zu solchen mit höherem Einstiegsgehalt oder besseren Aufstiegschancen (siehe gut bezahlte Ausbildungsberufe).

Wege zum Erweiterten Realschulabschluss auf dem Zweiten Bildungsweg

Mehrere Wege führen zum Erweiterten Realschulabschluss. Die Wahl hängt von Beruf, Familie und finanziellen Möglichkeiten ab.

Abendrealschule

An Abendrealschulen lässt sich der Erweiterte Realschulabschluss als Bestandteil des regulären Bildungsgangs erwerben - Voraussetzung sind ausreichend gute Leistungen in der Abschlussprüfung. Der Unterricht findet abends statt, meist vier bis fünf Werktage pro Woche. Der Besuch ist in der Regel kostenfrei und mit Schüler-BAföG förderbar.

Fernkurs

Private Fernschulen bieten Lehrgänge zum Realschulabschluss an, in deren Rahmen sich bei entsprechender Leistung der Erweiterte Abschluss ergibt. Die Kursgebühren liegen in der Größenordnung von 2.000 bis 3.500 Euro über 18 bis 30 Monate. Die Prüfung selbst wird als externe Prüfung an einer staatlichen Schule abgelegt.

Volkshochschule (VHS)

Volkshochschulen bieten Vorbereitungskurse für den Realschulabschluss; den Qualifikationsvermerk erhalten Teilnehmende, die in der Prüfung die geforderten Mindestnoten erreichen. Die Gebühren liegen je nach Träger zwischen 300 und 1.500 Euro insgesamt.

Externenprüfung

Ohne Besuch einer Schule lässt sich der Erweiterte Realschulabschluss als Nichtschülerprüfung beziehungsweise Externenprüfung direkt beim zuständigen staatlichen Schulamt ablegen. Voraussetzung ist eigenständige Vorbereitung - entweder im Selbststudium oder begleitet durch einen Vorbereitungskurs. Geeignet vor allem für Personen mit Vorkenntnissen.

Voraussetzungen für den Qualifikationsvermerk

Die genauen Anforderungen unterscheiden sich zwischen den Bundesländern. In der Regel müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

Die exakten Notenanforderungen prüft das jeweilige Schulamt anhand der Vorgaben des Bundeslands. Vor der Anmeldung lohnt eine Anfrage beim zuständigen Amt.

Dauer und zeitlicher Aufwand

Die nominale Kursdauer entspricht meist nicht der tatsächlichen Lernzeit. Wer berufstätig ist oder Familienverantwortung trägt, sollte 20-40 Prozent länger einplanen.

Was kostet das Nachholen?

LernformKursgebührZusätzlich
Abendrealschule (staatlich)meist kostenfreiLehrmaterial 50-150 €
VHS300-1.500 €Lehrmaterial 50-150 €
Fernkurs (privat)2.000-3.500 €Prüfungsgebühr 80-150 €
Externenprüfung80-150 € PrüfungsgebührVorbereitungskurs nach Bedarf

Eine detaillierte Übersicht aller Schulabschluss-Wege findet sich unter Kosten.

Finanzierung und Förderung

Das Schüler-BAföG ist die wichtigste Förderung für den Zweiten Bildungsweg. Es wird unter anderem für Abendrealschulen gewährt und nicht zurückgezahlt. Stand 2025/26 liegen die monatlichen Sätze in der Größenordnung von 700-950 Euro für Volljährige außerhalb des Elternhaushalts. Anträge laufen über das örtliche Amt für Ausbildungsförderung.

Für Arbeitsuchende kommt ein Bildungsgutschein der Bundesagentur für Arbeit in Frage. Daneben gibt es den Bildungskredit des Bundes (bis 7.200 Euro) und Stipendien wie das Aufstiegsstipendium der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung. Eine Übersicht: Fördermöglichkeiten und Zuschüsse.

Was kommt nach dem Erweiterten Realschulabschluss?

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zum regulären Realschulabschluss?

Inhaltlich kein Unterschied. Der Erweiterte Realschulabschluss verlangt zusätzlich einen bestimmten Notendurchschnitt (meist 3,0 oder besser) und Mindestnoten in Deutsch, Mathematik und Englisch. Mit dem Qualifikationsvermerk ist der direkte Übergang in die gymnasiale Oberstufe möglich.

Wie lange dauert das Nachholen?

Die Dauer hängt von der Lernform ab. Abendrealschulen rechnen mit 24 bis 30 Monaten, Fernkurse mit 18 bis 30 Monaten, VHS-Kurse mit 18 bis 24 Monaten. Wer sich für die Externenprüfung selbst vorbereitet, kommt je nach Vorkenntnissen in 6 bis 18 Monaten zum Abschluss.

Was kostet der Erweiterte Realschulabschluss?

An staatlichen Abendrealschulen ist die Teilnahme meist kostenfrei. VHS-Kurse liegen bei 300 bis 1.500 Euro. Private Fernschulen verlangen 2.000 bis 3.500 Euro. Die Externenprüfung kostet rund 80 bis 150 Euro Prüfungsgebühr. Hinzu kommen Lehrmittelkosten.

Welche Mindestnoten sind nötig?

In der Regel ein Notendurchschnitt von 3,0 oder besser in allen Pflichtfächern sowie mindestens die Note „befriedigend" (3) in Deutsch, Mathematik und der ersten Fremdsprache. Kein Pflichtfach darf „mangelhaft" oder schlechter stehen. Genaueres prüft das zuständige Schulamt.

Ist der Erweiterte Realschulabschluss bundesweit anerkannt?

Ja. Trotz unterschiedlicher Bezeichnungen - etwa Qualifikationsvermerk, Erweiterter Sekundarabschluss I oder FORQ - ist der Abschluss bundesweit gleichwertig anerkannt. Der Zugang zur gymnasialen Oberstufe gilt in allen Bundesländern.

Ist das Schüler-BAföG übertragbar?

Schüler-BAföG wird für den jeweiligen Bildungsgang gewährt und endet mit dessen Abschluss. Wer im Anschluss in die gymnasiale Oberstufe wechselt, kann erneut Schüler-BAföG beantragen. Anders als beim Studierenden-BAföG entfällt die Rückzahlungspflicht.

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