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Fachabitur nachholen: Wege, Dauer & Voraussetzungen
Der Begriff Fachabitur wird umgangssprachlich für zwei verwandte, aber unterschiedliche Abschlüsse verwendet: die Fachhochschulreife (FHR) mit Berechtigung zum Studium an Fachhochschulen und die fachgebundene Hochschulreife mit Zugang zu bestimmten Studiengängen an Universitäten. Nachholen lassen sich beide Varianten in der Regel innerhalb von 24 bis 36 Monaten an einer Berufsoberschule, einer Abendschule, einem Kolleg, in einem Fernkurs oder über die Externenprüfung.
Wer das Fachabitur nachholen möchte, sollte vorab den angestrebten Studiengang prüfen. Davon hängt ab, ob die Fachhochschulreife ausreicht oder die fachgebundene Hochschulreife nötig ist. Wer alle Studienoptionen offenhalten möchte, sollte das allgemeine Abitur in Betracht ziehen.
Fachabitur - zwei Abschlüsse unter einem Namen
Im Sprachgebrauch wird „Fachabitur" für zwei unterschiedliche Schulabschlüsse verwendet. Eine genaue Abgrenzung:
| Abschluss | Berechtigt zum Studium | Übliche Bildungsstätten |
|---|---|---|
| Fachhochschulreife (FHR) | an allen Fachhochschulen, alle Fachrichtungen | Fachoberschule, Berufsoberschule, Kolleg, Abendschule, Fernkurs |
| Fachgebundene Hochschulreife | an Universitäten und FH, beschränkt auf eine festgelegte Studienrichtung | Berufsoberschule, Berufliches Gymnasium, Kolleg |
Der Unterschied liegt im Umfang der Zugangsberechtigung. Die Fachhochschulreife öffnet jedes anwendungsorientierte Studium an einer Fachhochschule; die fachgebundene Hochschulreife öffnet zusätzlich Universitätsstudiengänge, allerdings nur in einer bestimmten Fachrichtung - etwa Wirtschaft, Technik oder Sozialwesen.
Fachhochschulreife im Detail
Die Fachhochschulreife ist die häufigere Variante des „Fachabiturs". Sie setzt sich aus einem schulischen Teil - meist zwölf vollendete Schuljahre an einer entsprechenden Bildungseinrichtung - und einem praktischen Teil zusammen. Letzteres wird durch eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein einschlägiges Praktikum von in der Regel 12 Monaten erbracht.
Mit der Fachhochschulreife ist der Zugang zu allen Bachelor-Studiengängen an Fachhochschulen offen - von Wirtschaftsinformatik über Maschinenbau bis Soziale Arbeit. In einigen Bundesländern berechtigt sie zusätzlich zum Studium ausgewählter Bachelor-Studiengänge an Universitäten. Mehr Details: Fachhochschulreife nachholen.
Fachgebundene Hochschulreife im Detail
Die fachgebundene Hochschulreife ist die seltenere Variante. Sie wird an Berufsoberschulen, Beruflichen Gymnasien und vergleichbaren Einrichtungen erworben. Die Berechtigung gilt bundesweit, jedoch nur für eine festgelegte Studienrichtung - beispielsweise Wirtschaft und Verwaltung, Technik oder Sozialpädagogik.
Wer einen konkreten Studienwunsch in der gewählten Fachrichtung hat, profitiert von dieser Variante: Der Universitätszugang ist offen, ohne den vollständigen Weg über das allgemeine Abitur. Eine zweite Fremdsprache ist erforderlich - anders als bei der reinen Fachhochschulreife.
Wege zum Fachabitur auf dem Zweiten Bildungsweg
Berufsoberschule
Die Berufsoberschule führt in zwei bis drei Jahren entweder zur Fachhochschulreife oder zur fachgebundenen Hochschulreife. Voraussetzung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung oder eine mindestens fünfjährige einschlägige Berufstätigkeit. Der Besuch ist staatlich gefördert.
Abendgymnasium
An vielen Abendgymnasien lässt sich neben dem allgemeinen Abitur auch die Fachhochschulreife als Zwischen- oder Teilabschluss erwerben. Wer nach zwei von drei Jahren das Abendgymnasium verlässt, kann je nach Bundesland die Fachhochschulreife mitnehmen. Geeignet für Berufstätige mit stabilem Tagesablauf.
Kolleg
Kollegs sind Vollzeitschulen des Zweiten Bildungswegs. Auch hier wird die Fachhochschulreife als Zwischenabschluss bescheinigt, wenn das Abitur nicht zu Ende geführt wird. Voraussetzung für die Aufnahme ist meist eine abgeschlossene Berufsausbildung oder mehrjährige Berufstätigkeit.
Fernkurs / Fernschule
Private Fernschulen bieten Lehrgänge zur Fachhochschulreife an. Die Kursgebühren liegen in der Größenordnung von 2.500 bis 4.500 Euro über 24 bis 36 Monate. Die Abschlussprüfung wird als externe Prüfung an einer staatlichen Schule abgelegt. Geeignet für berufstätige Lernende mit Familienverantwortung.
Externenprüfung
Wer sich eigenständig vorbereitet, kann die Fachhochschulreife als Nichtschülerprüfung beim zuständigen Schulamt ablegen. Voraussetzung ist eine intensive Selbstvorbereitung über 12 bis 24 Monate. Diese Form richtet sich vor allem an Personen mit Vorkenntnissen.
Voraussetzungen und Zugang
- Mindestalter: meist 18 Jahre, an Kollegs und Berufsoberschulen in der Regel 19 Jahre.
- Vorbildung: Realschulabschluss beziehungsweise Fachoberschulreife. Für den qualifizierten Übergang ist häufig ein bestimmter Notendurchschnitt erforderlich.
- Berufsausbildung oder Praxis: für die vollständige Fachhochschulreife eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein einjähriges einschlägiges Praktikum. Für die Berufsoberschule mehrjährige einschlägige Berufstätigkeit.
- Zweite Fremdsprache: für die fachgebundene Hochschulreife in der Regel erforderlich; für die reine Fachhochschulreife meist nicht.
Dauer und Kosten
| Lernform | Dauer | Kursgebühr |
|---|---|---|
| Berufsoberschule | 24-36 Monate | meist kostenfrei |
| Abendgymnasium | 24-30 Monate | meist kostenfrei |
| Kolleg | 24-36 Monate | meist kostenfrei |
| Fernkurs (privat) | 24-36 Monate | 2.500-4.500 € |
| Externenprüfung | 12-24 Monate Vorbereitung | 100-200 € Prüfungsgebühr |
Eine detaillierte Kostenübersicht findet sich unter Kosten.
Finanzierung und Förderung
Schüler-BAföG ist die wichtigste Förderung für den Zweiten Bildungsweg zur Fachhochschulreife oder fachgebundenen Hochschulreife. Es wird unter anderem für Berufsoberschulen, Abendgymnasien und Kollegs gewährt und nicht zurückgezahlt. Stand 2025/26 liegen die monatlichen Sätze in der Größenordnung von 700-950 Euro für Volljährige außerhalb des Elternhaushalts.
Daneben kommt der Bildungskredit des Bundes (bis 7.200 Euro) in Frage; für Berufserfahrene das Aufstiegsstipendium der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung. Kursgebühren an privaten Fernschulen sind häufig als Werbungskosten steuerlich absetzbar. Eine Übersicht: Fördermöglichkeiten und Zuschüsse.
Was kommt nach dem Fachabitur?
- Bachelor-Studium an einer Fachhochschule: mit Fachhochschulreife alle anwendungsorientierten Fachrichtungen offen.
- Universitätsstudium in der Fachrichtung: mit der fachgebundenen Hochschulreife an Universitäten möglich, beschränkt auf die festgelegte Studienrichtung.
- Berufliche Aufstiegsfortbildung: Voraussetzung für Bachelor Professional, Betriebswirt oder Techniker.
- Beamtenlaufbahn: für die Laufbahn des gehobenen Dienstes in der Regel ausreichend.
- Weiterbildung zum allgemeinen Abitur: wer später doch noch alle Studienoptionen offenhalten möchte, kann die zusätzliche zweite Fremdsprache nachholen und in eine Abiturprüfung gehen (siehe Abitur nachholen).
Häufige Fragen
Ist Fachabitur dasselbe wie Fachhochschulreife?
Umgangssprachlich ja. Streng genommen umfasst „Fachabitur" sowohl die Fachhochschulreife (FH-Zugang in allen Fachrichtungen) als auch die fachgebundene Hochschulreife (Universitätszugang in einer festgelegten Studienrichtung). Beide gelten als gehobene Abschlüsse der Sekundarstufe II.
Wie lange dauert das Nachholen?
Die Dauer liegt je nach Lernform zwischen 24 und 36 Monaten. Vollzeit an Berufsoberschulen oder Kollegs dauert 24 bis 30 Monate, Abendgymnasien 24 bis 30 Monate, Fernkurse 24 bis 36 Monate. Selbstvorbereitung mit Externenprüfung erfordert 12 bis 24 Monate je nach Vorkenntnissen.
Welche Voraussetzungen sind nötig?
In der Regel der Realschulabschluss beziehungsweise die Fachoberschulreife sowie eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein einjähriges einschlägiges Praktikum. Für die fachgebundene Hochschulreife zusätzlich eine zweite Fremdsprache. Berufsoberschulen verlangen meist eine mehrjährige Berufstätigkeit.
Welche Studienrichtungen sind mit Fachabitur möglich?
Mit der Fachhochschulreife sind alle Bachelor-Studiengänge an Fachhochschulen zugänglich. Die fachgebundene Hochschulreife öffnet zusätzlich Universitätsstudiengänge, allerdings nur in der festgelegten Fachrichtung. Wer Medizin, Jura oder ähnliche universitäre Fächer studieren möchte, benötigt das allgemeine Abitur.
Was kostet das Nachholen?
An staatlichen Berufsoberschulen, Abendgymnasien und Kollegs ist die Teilnahme meist kostenfrei. Private Fernschulen verlangen 2.500 bis 4.500 Euro. Die Externenprüfung selbst kostet 100 bis 200 Euro Prüfungsgebühr. Hinzu kommen Lehrmittel und gegebenenfalls Praktikumskosten.
Brauche ich eine zweite Fremdsprache?
Für die reine Fachhochschulreife in der Regel nicht. Für die fachgebundene Hochschulreife mit Universitätszugang ist die zweite Fremdsprache meist verpflichtend. Wer später ins allgemeine Abitur wechseln möchte, muss die zweite Fremdsprache spätestens dort nachholen.
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