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Schulabschluss nachholen: alle Wege im Vergleich
Ein Schulabschluss lässt sich auf dem Zweiten Bildungsweg in der Regel innerhalb von 6 bis 36 Monaten nachholen - über die Volkshochschule, eine Abendschule, einen Fernkurs, ein Kolleg oder die Externenprüfung. Die Wahl des Wegs hängt vom angestrebten Abschluss, dem zeitlichen Spielraum und der finanziellen Lage ab; die Kursgebühren reichen von praktisch null an staatlichen Schulen bis rund 3.500 Euro an privaten Fernschulen.
Wer früher die Schule ohne Abschluss verlassen hat oder einen höheren Abschluss anstrebt, hat heute mehrere geregelte Möglichkeiten dazu. Mögliche Gründe für einen späten Schulabschluss reichen von Krankheit über schwierige Familienverhältnisse bis hin zu einer ungünstigen Schullaufbahn-Entscheidung in der Jugend. Auch der Wunsch nach beruflicher Veränderung, der Zugang zu Ausbildungsberufen oder die Vorbereitung auf ein Studium führen viele Erwachsene zurück in den Lernkontext. Eine feste Altersgrenze gibt es nicht.
Welche Schulabschlüsse lassen sich nachholen?
In Deutschland sind praktisch alle allgemeinbildenden Abschlüsse nachträglich erwerbbar. Die Bezeichnungen variieren zwischen den Bundesländern, der Inhalt ist im Wesentlichen einheitlich:
| Abschluss | Übliche Wege | Typische Dauer |
|---|---|---|
| Hauptschulabschluss | VHS, Abendschule, Berufsschule, Externenprüfung | 10-24 Monate |
| Realschulabschluss (mittlere Reife) / Sekundarabschluss | VHS, Abendrealschule, Fernkurs, Berufsschule | 12-36 Monate |
| Erweiterter Realschulabschluss | Abendrealschule, Kolleg, Fernkurs | 18-36 Monate |
| Fachoberschulreife | Berufsschule, Berufsfachschule | 12-24 Monate |
| Fachhochschulreife / Fachabitur | Berufsoberschule, Fachoberschule, Fernkurs | 18-36 Monate |
| Abitur (allgemeine Hochschulreife) | Abendgymnasium, Kolleg, Fernkurs | 30-48 Monate |
Welcher Abschluss persönlich sinnvoll ist, hängt vor allem vom angestrebten Berufsziel ab. Für viele Berufsausbildungen reicht der Hauptschulabschluss; eine Reihe besser bezahlter oder schulisch geregelter Berufe setzt den Realschulabschluss voraus (siehe Berufe mit Realschulabschluss und gut bezahlte Ausbildungsberufe). Der Zugang zu einer Fachhochschule erfordert die Fachhochschulreife, ein Universitätsstudium die allgemeine Hochschulreife. Die genauen Bezeichnungen der Schulabschlüsse unterscheiden sich zwischen den Bundesländern.
Wege zum Schulabschluss auf dem Zweiten Bildungsweg
Für jeden Abschluss gibt es mehrere Wege. Die Unterschiede liegen in Tempo, Präsenzpflicht, Kosten und in der Vereinbarkeit mit Beruf oder Familie.
Volkshochschule (VHS)
Volkshochschulen bieten in vielen Städten Vorbereitungskurse für den Haupt- oder Realschulabschluss an, häufig in Teilzeit oder am Abend. Die Kursgebühren liegen meist im niedrigen dreistelligen Bereich pro Semester; für einkommensschwache Teilnehmende gibt es Ermäßigungen. Die VHS gilt als niedrigschwelliger Einstieg, besonders für Personen, die sich erst wieder in das schulische Lernen einfinden müssen.
Abendschule
Abendrealschulen und Abendgymnasien sind öffentliche Schulen mit Unterricht meist von 17 bis 21 Uhr an vier bis fünf Werktagen pro Woche. Das Lerntempo orientiert sich am regulären Schuljahr, dafür ist der Unterricht in der Regel kostenfrei. Geeignet für Berufstätige mit stabilem Tagesablauf, die einen anerkannten staatlichen Abschluss anstreben.
Berufsschule
Auszubildende erwerben den Hauptschulabschluss oft automatisch mit der bestandenen Berufsausbildung. Der Realschulabschluss lässt sich an vielen Berufsschulen zusätzlich erwerben, sofern bestimmte Noten in Deutsch, Englisch und Mathematik erreicht werden. Der Besuch ist während einer regulären Ausbildung kostenfrei und ohnehin Pflicht. Details: Realschulabschluss während der Ausbildung nachholen.
Fernkurs / Fernschule
Fernkurse vermitteln den Stoff über Lehrhefte, Online-Lernplattformen und einzelne Präsenzphasen. Das Lerntempo lässt sich am Alltag ausrichten - für Schichtarbeitende oder Eltern mit Betreuungspflichten ist das häufig die einzige praktikable Form. Die Kursgebühren liegen für den Realschulabschluss in der Größenordnung von 1.800 bis 3.500 Euro, das Abitur entsprechend höher. Die Abschlussprüfung selbst findet als externe Prüfung an einer staatlichen Schule statt.
Kolleg und Telekolleg
Kollegs sind Vollzeitschulen des Zweiten Bildungswegs, meist mit dem Ziel Abitur. Voraussetzung ist in der Regel eine abgeschlossene Berufsausbildung oder eine mehrjährige Berufstätigkeit. Telekollegs kombinieren Fernunterricht über öffentlich-rechtliche Lehrsendungen mit gelegentlichen Präsenzphasen, häufig am Samstag.
Externenprüfung
Ohne den Besuch einer Schule lässt sich die Abschlussprüfung als „Nichtschülerprüfung" oder Externenprüfung direkt beim zuständigen staatlichen Schulamt ablegen. Voraussetzung ist eigenständige Vorbereitung - im Selbststudium oder über einen Vorbereitungskurs. Diese Form eignet sich für Personen mit Vorkenntnissen, die kurzfristig nur den formalen Abschluss benötigen, und ist mit Prüfungsgebühren von rund 80-150 Euro die preisgünstigste Variante.
Voraussetzungen und Zugang
Die Zulassungsregeln variieren nach Schulform und Bundesland. Einige Eckpunkte gelten überall:
- Mindestalter: Für den Zweiten Bildungsweg ist ein Mindestalter von 16 oder 17 Jahren festgelegt. Eine Höchstgrenze existiert nicht.
- Vorbildung: Wer den Realschulabschluss anstrebt, benötigt im Regelfall den Hauptschulabschluss als Eingangsvoraussetzung. Den Realschulabschluss ohne Hauptschulabschluss nachzuholen ist über einige Fernkurse und durch direkte Prüfungszulassung möglich.
- Beruf oder Berufserfahrung: Kollegs und Abendgymnasien setzen für das Abitur eine abgeschlossene Berufsausbildung oder eine mehrjährige Berufstätigkeit voraus.
- Fremdsprachen: Englisch ist üblicherweise verpflichtend; in begründeten Ausnahmen - etwa für Quereinsteigende mit anderer Erstsprache - gibt es Sonderregelungen. Siehe: Schulabschluss ohne Englisch nachholen.
Dauer und zeitlicher Aufwand
Wie lange das Nachholen dauert, hängt vor allem von der Lernform ab. Vollzeitkollegs sind die schnellste Variante, Abendschulen und Fernkurse entsprechend länger.
- Vollzeit (Kolleg): Realschulabschluss in 12-18 Monaten, Abitur in 24-36 Monaten. Wöchentlicher Aufwand: 30-35 Schulstunden zuzüglich Lernzeit.
- Abendschule (Teilzeit): Realschulabschluss in 24-30 Monaten, Abitur in 30-36 Monaten. Wöchentlicher Aufwand: 12-18 Unterrichtsstunden plus Vor- und Nachbereitung.
- Fernkurs: Realschulabschluss in 18-30 Monaten, Abitur in 30-42 Monaten. Lernpensum frei einteilbar; empfohlen werden rund 10-15 Stunden pro Woche.
- Externenprüfung (Selbststudium): 6-18 Monate Vorbereitung je nach Vorkenntnissen und Lernumfang.
Zu beachten ist: Die nominale Kursdauer entspricht nicht zwingend der tatsächlichen Lernzeit. Wer parallel berufstätig ist oder Kinder betreut, sollte realistisch 20-40 Prozent länger einplanen. Eine längere Lernphase ist eher die Regel als die Ausnahme.
Was kostet das Nachholen eines Schulabschlusses?
Die Kostenspanne ist groß, weil sich die Wege strukturell unterscheiden. Eine Übersicht für den Realschulabschluss als typisches Beispiel:
| Lernform | Kursgebühr | Zusätzlich |
|---|---|---|
| VHS | 200-1.500 € insgesamt | Lehrmaterial 50-150 € |
| Abendrealschule | meist kostenfrei | Lehrmaterial 50-150 € |
| Berufsschule (parallel zur Ausbildung) | kostenfrei | - |
| Fernkurs (private Fernschule) | 1.800-3.500 € | Prüfungsgebühren 80-150 € |
| Externenprüfung | 80-150 € Prüfungsgebühr | Vorbereitungskurs nach Bedarf |
Für das Abitur liegen Fernkurse je nach Anbieter zwischen rund 2.500 und 5.500 Euro. Eine detaillierte Aufschlüsselung findet sich unter Kosten.
Finanzierung und staatliche Förderung
Mehrere Förderwege erleichtern das Nachholen finanziell - vor allem für Personen ohne ausreichendes eigenes Einkommen oder mit Familienverantwortung.
Schüler-BAföG
Das Schüler-BAföG ist die wichtigste staatliche Förderung für Lernende auf dem Zweiten Bildungsweg. Es wird unter anderem für den Besuch von Abendrealschulen, Abendgymnasien, Kollegs und Berufsoberschulen gewährt. Anders als beim Studierenden-BAföG handelt es sich um einen vollen Zuschuss - eine Rückzahlung entfällt. Stand 2025/26 liegen die monatlichen Sätze für Volljährige außerhalb des Elternhaushalts in der Größenordnung von 700-950 Euro je nach Wohn- und Versicherungssituation. Anträge laufen über das örtliche Amt für Ausbildungsförderung.
Bildungskredit des Bundes
Der Bildungskredit ist ein zinsgünstiges staatliches Darlehen für Lernende in fortgeschrittenen Ausbildungsabschnitten - vor allem für die letzte Phase einer Schulausbildung oder ein Studium. Die maximale Kreditsumme beträgt 7.200 Euro, ausgezahlt in monatlichen Raten von 100, 200 oder 300 Euro. Antragsstelle ist das Bundesverwaltungsamt; die Rückzahlung erfolgt einkommensunabhängig vier Jahre nach Bewilligung.
Stipendien
Für Begabte mit besonderem Lebenslauf gibt es eine Reihe von Stipendienprogrammen, etwa das Aufstiegsstipendium der Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung (SBB) für Berufserfahrene mit Studienwunsch. Voraussetzung ist meist eine abgeschlossene Berufsausbildung mit guten Leistungen sowie eine Empfehlung des Arbeitgebers oder einer berufsbildenden Schule.
Steuerliche Absetzbarkeit
Wer berufsbedingt einen Schulabschluss nachholt, kann die Kursgebühren als Werbungskosten oder Sonderausgaben steuerlich geltend machen. Das gilt insbesondere für Fernkurse als anerkannte Fortbildungsmaßnahme. Eine steuerliche Beratung im Einzelfall ist empfehlenswert.
Eine Übersicht aller Wege findet sich unter Fördermöglichkeiten und Zuschüsse.
Häufige Sonderfälle
Schulabschluss während einer laufenden Ausbildung
Auszubildende erwerben den Hauptschulabschluss meist automatisch mit der bestandenen Berufsausbildung. Der Realschulabschluss lässt sich an vielen Berufsschulen durch entsprechende Noten in Deutsch, Englisch und Mathematik zusätzlich erwerben - ohne zusätzlichen Schulbesuch. Details: Realschulabschluss während der Ausbildung nachholen.
Realschulabschluss ohne Hauptschulabschluss
Wer keinen Hauptschulabschluss hat, kann unter bestimmten Voraussetzungen direkt den Realschulabschluss anstreben - vor allem über die Externenprüfung oder über Fernkurse, die ohne formale Eingangsvoraussetzung zulassen. Mehr dazu: Realschulabschluss ohne Hauptschulabschluss nachholen.
Abschluss ohne Englischprüfung
In einzelnen Bundesländern und bei bestimmten Fernkursen gibt es Wege, den Schulabschluss ohne Englischprüfung zu erwerben - etwa für Personen mit einer anderen Erstsprache als Deutsch oder Englisch. Details: Schulabschluss ohne Englisch nachholen.
Welcher Weg eignet sich für welche Lebenssituation?
Die Entscheidung für eine Lernform hängt weniger vom Abschlusstyp als von der persönlichen Situation ab. Einige typische Konstellationen:
- Vollzeit verfügbar, ohne Berufstätigkeit: Ein Kolleg oder eine Vollzeitschule erlaubt den schnellsten Abschluss, setzt aber meist eine abgeschlossene Berufsausbildung voraus.
- Berufstätig in Vollzeit: Eine Abendschule ist möglich, fordert aber 12-18 Stunden Unterricht pro Woche zusätzlich zum Beruf. Ein Fernkurs lässt sich flexibler in den Tagesablauf einplanen.
- Familienverantwortung mit Kindern: Fernkurse oder ein Selbststudium mit anschließender Externenprüfung erlauben das Lernen außerhalb fester Schulzeiten.
- Auszubildende: Der Abschluss lässt sich häufig direkt während der Ausbildung an der Berufsschule integrieren - die kostengünstigste Variante.
- Mit Studienwunsch: Für den Hochschulzugang sind Fachabitur oder Abitur nötig. Beides ist über Abendgymnasien, Kollegs oder Fernkurse erreichbar; ergänzende Hinweise unter Studieren mit Realschulabschluss.
Hilfreich vor der Entscheidung: ein persönliches Beratungsgespräch bei der Schulberatung der Kommune oder beim zuständigen Schulamt. Weitere Anlaufstellen finden sich unter Tipps und Links.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, einen Schulabschluss nachzuholen?
Die Dauer hängt von der Lernform ab. An einer Abendrealschule sind 24-30 Monate üblich, in einem Vollzeitkolleg ab 12 Monaten. Fernkurse rechnen mit 18-30 Monaten. Wer sich für die Externenprüfung selbst vorbereitet, kann je nach Vorkenntnissen in 6-18 Monaten zum Abschluss kommen.
Was kostet das Nachholen eines Realschulabschlusses?
An öffentlichen Schulen - Abendrealschule oder Berufsschule - fallen meist keine Kursgebühren an. An der VHS liegen die Gebühren zwischen rund 200 und 1.500 Euro, an privaten Fernschulen zwischen 1.800 und 3.500 Euro. Hinzu kommen Lehrmittel und Prüfungsgebühren.
Gibt es eine Altersgrenze für den Zweiten Bildungsweg?
Eine obere Altersgrenze existiert nicht. Das Mindestalter liegt je nach Schulform und Bundesland bei 16 oder 17 Jahren. An Abendgymnasien wird häufig zusätzlich eine abgeschlossene Berufsausbildung oder eine mehrjährige reguläre Berufstätigkeit verlangt.
Welche staatliche Förderung kommt infrage?
Die wichtigste Förderung ist das Schüler-BAföG, das anders als das Studierenden-BAföG nicht zurückgezahlt werden muss. Daneben gibt es den Bildungskredit des Bundes (bis 7.200 Euro) und für besonders Begabte das Aufstiegsstipendium. Anträge laufen über das örtliche Amt für Ausbildungsförderung beziehungsweise das Bundesverwaltungsamt.
Ist die Externenprüfung schwerer als die reguläre Prüfung?
Die Anforderungen sind identisch - gleiche Aufgabenstellungen, gleiche Bewertungsmaßstäbe. Schwieriger ist meist die selbstständige Vorbereitung, weil weder strukturierter Unterricht noch eine Lerngruppe vorhanden sind. Ein begleitender Vorbereitungskurs verbessert die Erfolgschancen deutlich.
Lässt sich das Abitur direkt nach dem Realschulabschluss nachholen?
Ja. Wer die Realschulabschluss-Voraussetzungen erfüllt und eine abgeschlossene Berufsausbildung oder mehrere Jahre Berufstätigkeit nachweist, kann an einem Abendgymnasium oder Kolleg das Abitur anschließen. Die übliche Dauer beträgt 30-36 Monate.
Der schnellste Weg für die meisten Berufstätigen ist die Fernschule - ortsunabhängig, im eigenen Tempo. Die drei staatlich zugelassenen Anbieter im direkten Vergleich:
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